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Vielversprechende Diskussionsthemen, hochkarätige Besetzung, wenig Interaktion: Die HRpepper-Beraterinnen Lucia Daub und Franziska Schölmerich über ihre Eindrücke von der Work-Awesome-Konferenz in Berlin, ihre Learnings und was sie sich fürs nächste Jahr wünschen würden.

Von Großkonzernen wie SAP, Microsoft und Otto Group über Start-ups und Beratungen bis hin zu Vertretern aus der Politik: Es sind zahlreiche New-Work-Expertinnen und -Experten bei der Work Awesome im November dabei, um sich auf Panel-Diskussionen einzubringen, die so vielversprechende Titel wie „SciFi Thinking“ oder „Hallo künstliche Intelligenz“ tragen. Der Grundtenor ist optimistisch: Auch wenn sich der Großteil der Jobs durch die Digitalisierung in kurzer Zeit verändern wird, wird uns die Arbeit nicht ausgehen. Und es gibt viele Ideen, was Führungskräfte und Organisationen tun können, um New Work erfolgreich zu gestalten. Dabei dürfen Purpose, Agilität und künstliche Intelligenz nicht fehlen.

Positive Lernerfahrungen

Das haben wir von dem Tag mitgenommen:

  • Wirtschaftlicher Strukturwandel in sechs Jahren. Hubertus Heil berichtet, dass bis 2025 1,3 Mio. Arbeitsplätze wegfallen, dafür 2,1 Mio. neue entstehen. Ein Wandel, der sich früher über eine gesamte Generation vollzogen hat, muss jetzt in sechs Jahren passieren. Dabei haben wir in Deutschland bisher die Chance verpasst, durch die Digitalisierung Ungleichheiten zwischen Ost und West oder den Geschlechtern zu verkleinern.

Wir sollten uns jetzt damit auseinandersetzen, welche Rolle Deutschland in der globalen Digitalisierung einnimmt und was unser Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Schwergewichten wie der USA oder China ist.

  • Damit der Wandel in Zukunft besser gelingt, sind insbesondere positive Lernerfahrungen als Schlüsselfaktor notwendig: All diejenigen die nicht typischerweise zu den unmittelbaren Gewinnern des wirtschaftlichen Wandels gehören und die in ihrer Biografie nicht unbedingt positive Beziehungen zum Lernen haben, müssen auf die Reise mitgenommen werden. Hubertus Heils Ziel ist, auf technologischer Basis sozialen Fortschritt zu schaffen.

Die Otto Group hat bereits mit der „Techucation“-Initiative gestartet, um eine zukunftsfähige Lernkultur im gesamten Unternehmen zu etablieren: Mit einer eigenen Online-Plattform, Lerngruppen und expliziter Lernzeit pro Woche ist die Lust auf das Neue bei den Mitarbeitenden spürbar geworden.

Führungskräfte müssen ermutigen

  • Führung beginnt beim „Nicht-Wissen“ und der Fähigkeit zuzugeben, dass man selbst nicht alle Antworten kennt. Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, ist überzeugt: „Führungskräfte müssen ermutigen und als Vorbild beim Lernen vorangehen“. Neben formalen Qualifizierungsprogrammen ginge es vor allem um die (Alltags-)Kultur in den Unternehmen und dass vorhandene Anreize konstant weiterentwickelt werden. Dazu gehörten beispielsweise Rotationsprogramme und gezielte Incentives für die Mitarbeitenden, die Position nach zwei bis drei Jahren zu wechseln.
  • Flexibilität und Innovationsfähigkeit im Organisationsmodell verankern: Das FLEAT-Modell bei Haufe bietet nach eigenen Angaben den strategischen Korridor und die Möglichkeiten, neue Ideen als Teil des Jobs zu verfolgen und im besten Fall zu skalieren („Vom Unternehmen zur agilen Flotte“). In jeder dieser Phasen – von einem Floß(„Raft“) zum Kreuzfahrtschiff („cruise ship“) – werden klare Erwartungen formuliert hinsichtlich Dauer, Organisationsstruktur, zeitliches Investment, Kunden und Geschäftsmodell, um Mitarbeitenden Orientierung zu geben.
  • Routinen etablieren, um jeden Tag den Fokus auf den übergreifenden persönlichen und organisationalen Purpose zu richten, zum Beispiel mit einem (digitalen) Check-in: Was habe ich gestern erreicht? Was sind meine wichtigsten Prioritäten des Tages?
  • Methodenrevival: Working Out Loud ist mittlerweile ein Klassiker und erfreut sich aufgrund der Einfachheit der Methode großer Beliebtheit: Einen konkreten Schritt zu seinen (persönlichen) Zielen zu unternehmen und sich dabei mit neuen Kontakten zu vernetzen, ist nicht schwer und macht große Freude. Alle Tools und Anleitung sind vollständig und kostenfrei im Netz unter workingoutloud.com verfügbar.

Raum für Zweifel

Das wünschen wir uns für die nächste Work Awesome:

  • eine kritischere Auseinandersetzung mit New Work, das Aufzeigen der Grenzen und ein stärkeres Bewusstsein für die Blase, in der sich die meisten Expertinnen und Experten zu dem Thema befinden
  • mehr Interaktion, Nutzung der Expertise der Teilnehmenden und Einbindung des Publikums
  • eine Atmosphäre und Formate, in der auch Fehler oder Zweifel ihren Raum haben.

Nach Hause gegangen sind wir mit der Einsicht „You’re life is determined by two types of actions: those that you take and those that you don’t take“.

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