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Wenn ein Social Intranet oder ein Enterprise Social Network in einem Unternehmen als zentrales Element der Digitalen Transformation eingeführt wird, fühlt sich das Personalmanagement in aller Regel nicht verantwortlich. Es ist meist die Kommunikationsabteilung oder die IT, die die Regie übernehmen. Warum eigentlich?, fragt Jan C. Weilbacher, der am 19.9. auf dem IOM Summit spricht. Personalarbeit heißt vor allem Zusammenarbeit zu gestalten. Und die Nutzung einer Collaboration-Plattform ist eine völlig neue Art zu arbeiten und bringt eine massive Kulturveränderung mit sich. 

Eine neue Kommunikationskultur mithilfe einer Social-Collaboration-Plattform wie Microsoft Teams, Jive oder Slack heißt nicht nur, dass der Mitarbeiter den Vorstands-Post kommentieren kann. Sondern im besten Falle beinhaltet die neue Kommunikationskultur die Lust und die Bereitschaft zu teilen und mit seiner Individualität einen Beitrag zum großen Ganzen leisten zu wollen. Für viele Menschen, die bislang eher passiv agiert oder die es sich in ihrem Silo gemütlich gemacht haben, heißt es, ihre Verhaltensweisen zu verändern. Ein Enterprise Social Network (ESN) beziehungsweise ein Social Intranet ist deshalb nicht nur eine technische Plattform, sondern es verändert die Art, wie die meisten von uns bislang gearbeitet haben, völlig. Es ist ein kollaboratives, vernetztes Arbeiten, das immer auch Lernen miteinschließt, das Lernen voneinander im täglichen Austausch und Doing. Ganz allgemein müssen Individuum und Organisation bereit sein, in hohem Maße zu dazuzulernen, Feedback zu geben und transparent zu agieren. Die Komplexität und Dynamik der Veränderungen in den Umwelten macht das notwendig.

Das soziale Netzwerk als Teil einer lernenden Organisation

Das Social Intranet oder ein ESN ist deshalb ein wichtiges Element einer lernenden Organisation, die es braucht, um auch zukünftig erfolgreich zu sein. Simon Dückert spricht gar vom Social Intranet als ein Fundament der lernenden Organisation. Eine solche könne jedoch in rein hierarchisch aufgebauten Organisationen nicht gelebt werden, da diese bezüglich Stabilität und Wiederholung optimiert sind. Dückert beruft sich auf Gary Hamel, wenn er sagt, dass man das Web 2.0 als Vorbild verwenden und dessen Prinzipien auf die Führung und Gestaltung von Organisationen anwenden müsse.

Aber von alleine wird es ein Mehr an Transparenz, Dialog, Aktivität und Vernetzung nicht geben. Es braucht Menschen, die den hierarchie- und bereichsübergreifenden Austausch vorantreiben. Es braucht jemanden, der sich kümmert: Das sollten vor allem die Personalmanager. Denn Personalarbeit heißt Zusammenarbeit zu gestalten oder zumindest zu fördern. Dabei ist es wichtig, dass das Thema effektive Zusammenarbeit nur ganzheitlich angegangen werden kann. Es reicht nicht, nach mehr Vernetzung zu rufen, wenn HR in seinen Prozessen und Instrumenten eine Arbeitswelt widerspiegelt, in der Wettbewerb und individuelle Leistungsoptimierung vorherrschen. Performance Management, die Karrieresysteme, sämtliche Regelungen müssen auf den Prüfstand, machen die Systeme doch häufiger den Anschein als würden sie dem Individuum misstrauen. Dabei muss der Einzelne, sein Mut, seine Neugier, sein Tatendrang gestärkt werden. Zusammenarbeit braucht nun mal Menschen, die intrinsisch motiviert sind und sich einbringen.

Und genauso reicht es nicht, Zusammenarbeit nur in der analogen Welt zu betrachten und das Arbeiten über Video-Plattformen, das Doc-Sharing, das Chatten in Communities zu ignorieren. Sonst kann man Zusammenarbeit nicht gestalten wollen.

Zusammenarbeit muss ganzheitlich betrachtet werden

Die Einführung einer Collaboration Plattform braucht von Anfang an eine ganzheitliche Sichtweise. Zu einem kleinen Teil ist eine Collaboration-Plattform ein IT-Projekt. Noch viel mehr geht es jedoch um neue Arbeitsabläufe und Arbeitsweisen, um eine neue Kommunikationskultur sowie eine andere Art der Zusammenarbeit. Viele Fragen sind mit einem Social Intranet verbunden, die zahlreiche Themenbereiche berühren: Wie wollen wir zukünftig führen? Gibt es mehr Flexibilität hinsichtlich des Arbeitsortes? Wie gut ist unsere Feedback-Kultur? Wie gestalten wir Video-Konferenzen? Wie entstehen bei uns Innovationen? All diese Fragen betreffen insbesondere den Verantwortungsbereich des Personalmanagements. Gut, wenn es vor der Einführung eines Social Intranets Antworten gibt. Spätestens aber, wenn mit der Plattform gearbeitet wird, ist Wegducken für die Personaler unmöglich.


Jan C. Weilbacher ist Keynotespeaker beim IOM Summit, der vom 17. bis 19.9. in Bonn. „Human Collaboration Management als neue Maxime für das Personalmanagement“ lautet der Titel seines Vortrags am 19.9. 

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