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HRpepper-Gründer Matthias Meifert hat sich in der vergangenen Woche auf der „5. Internationalen Human Resources Conference“ in Barcelona umgesehen, was es im Personalbereich – und darüber hinaus – für Neuerungen gibt. Seine Eindrücke hat er in einem Reisebericht festgehalten. 

Obwohl es schon spät am Abend ist, vertreiben sich noch viele Touristen und einige wenige Bewohner ihre Zeit auf der bekannten Prachtmeile La Rambla. Die Luft ist angenehm mild, riecht würzig nach Meer und den katalonischen Speisen, die in den unzähligen Restaurants kredenzt werden. Dem Berliner herbstlichen Wetter entflohen, bin ich voller Vorfreude auf den morgigen Tag. Dann findet bereits zum fünften Mal die Internationale Human Resources Conference in Barcelona statt.

Google, Tesla, Telefonica – die vertretenen Unternehmen sind hochrangig

Passend zum schlichten Motto „Global Trends in HR“ ist der Tagungsort im Telefonica Office perfekt gewählt. Unweit des Meeres erhebt sich der imposante Büroturm mit der charakteristischen Fassade aus überdimensionierten weißen, gekreuzten Mikadostäbchen. Die Einrichtung hält, was das Bauwerk von außen bereits ankündigt: Viel weiß, glänzende Oberflächen und ein minimalistisches Design versprühen eine kühle Modernität. Das Programm ist dicht und verspricht eine intensive Informationsdusche. Dieses Prinzip ist der Singularity University entliehen, berichtet zu Beginn die Initiatoren Sylvia Taudien von Advantage Consultores. Im 20-Minuten-Takt teilen insgesamt elf Vortragende ihre Sicht auf das moderne HR-Management bzw. bieten Inspirationen aus ihrem Business-Alltag. Vieles was in der digitalen Welt Rang und Namen hat, ist vertreten. Von Google über Tesla, dem Innovationshub alpha von Telefonica bis Vistaprint sowie einige Startups – das Speakerpanel kann sich sehen lassen.

Agilität ist keine Methode, sondern eine Frage der Haltung

Grundsolide erklären die Vortragenden in englischer Sprache wofür ihre zum Teil weltbekannten Firmen stehen, wie sie ihre Kultur gestalten und das Agilität keine Methode ist, sondern eine Frage der Haltung. Der Tesla-Vortragende darf aufgrund einer Unternehmensregelung keine Fragen auf der Bühne beantworten und der Google-Vertreter schickt seinem Vortrag gleich einen Disclaimer voraus, dass alles was er sagt, nur seine private Meinung ist. Trotzdem wirbt er sehr überzeugend – gar nicht so privat – für ein neues Google-Produkt, das Whiteboard „Jamboard“, mit dem virtuelle Zusammenarbeit erleichtert wird. Besonderes Highlight des Tages ist der humanoide Robotor Sophia (Foto) von Hanson Robotics („We bring robots to life“), der gerade von Konferenz zu Konferenz gereicht wird. Nach der Kaffeepause steht die Dame mittig auf der Bühne postiert und gibt ihre menschliche Mimik zum Besten. Das wirkt erstaunlich echt. Da tut es auch keinen Abbruch, dass Sophias Antworten auf die aus dem Publikum gestellten Fragen nicht immer wirklich inhaltlich erhellend sind. Irritation kommt auf, als sie von der Bühne geholt wird. Während dem Zuschauer ein Video präsentiert wird, machen sich zwei Personen im Halbdunkeln an ihr zu schaffen. Damit der eine oder andere nicht doch einen Blick auf die leblose Sophia erhaschen kann, schirmt man sie mit einem Banner ab. Es gruselt schon ein wenig, denn das Gefühl entsteht, ein Unfallopfer würde gerade abtransportiert.

Die jungen Referenten können überzeugen

Besonders erfrischend sind die Referate der jungen Leute, die sich von den anderen, mehr oder minder erwartbaren,  Talks abheben. Der norwegische Gründer Max Gouchan spricht über Eigenschaften, die Unternehmer erfolgreich machen. Sehr klar führt er den überwiegend weiblichen Vertreterinnen der HR Community im Publikum vor, an was es in den meisten Organisationen mangelt: Unternehmertum – mit der absoluten Bereitschaft zum Erfolg, aber auch zum Risiko. Erstaunlich ist diese klare Aussage auch deshalb, weil Gouchan selbst erst Anfang 20 ist.
Anhand einer einfachen Metapher veranschaulicht der Norweger, warum es für Unternehmer existenziell ist, stets fokussiert zu sein: Auch wenn ein ausgewachsener Löwe in der Lage wäre, Mäuse zu jagen, so würde er das nie tun. Die Energiebilanz ist zu ungünstig. Der Aufwand für die Jagd würde nicht im Verhältnis zum Ertrag stehen. Daher zielt er immer auf große Tiere wie Antilopen, Zebras, etc. Den nachdenklichen Gesichtern im Raum ist anzusehen, dass sich viele scheinbar gerade fragen, warum sie so viele Mäuse bereits in ihrem Leben gefangen haben. Gouchan gelingt es jedoch, seine Botschaften so unterhaltsam und charmant zu vermitteln, dass sich auch ein Anflug von Fürsorge für den jungen Wilden unter den Fachvertretern entwickelt. Später in der Pause huldigen sie dann staunend den Mut des Umtriebigen.

Neue Rollen braucht das Personalmanagement

Der Berliner Terence Hielscher gestattet wiederum einen Blick in die Welt der HR-Innovationen und stellt dazu MoBerries vor. Das Micro-Rekrutierungs-Netzwerk, das auf technologischen, neuronalen Netzen basiert, dreht den Anspracheprozess um: Potenziellen Kandidaten werden Jobs passgerecht auf Empfehlung angeboten. Ganz nebenbei doziert Hielscher souverän über seine Sicht auf die neuen (digitalen) Rollen von HR in Organisationen. Seiner Meinung nach werden das zukünftig der Social Integrator, der Strategic HR Business Partner sowie Talent Intelligence Advocate sein – und stützt sich damit stark auf Arbeiten der Beratung Accenture. Danach gehen die traditionellen HR-Rollen in der Rolle des „Social Integrators“ auf. Er oder sie sorgt für gute Arbeitsbedingungen, ist Kümmerer und Arbeitsweltengestalter und das immer mit einer hohen digitalen Kompetenz. Auf Basis von Datenauswertungen versteht der Social Integrator die unterschiedlichen Mitarbeitergruppen und ihre Bedürfnisse.  Der „Talent Intelligence Advocate“ ersetzt die bisherigen traditionellen Recruiting- und Sourcing-Rollen. Er ist Markenbotschafter für seinen Arbeitgeber, kümmert sich um das Talent Sourcing auf Basis ausgeprägter Data-Analytics-Fähigkeiten und hält gute Beziehungen zu externen und internen Talenten. Der “ (Evolved) Strategic HR Business Partner“ ist ziemlich nah am HR Business Partner von Dave Ulrich, angereichert mit zahlreichen digitalen Skills.

Auch stereotype Muster werden bedient

Den inhaltlichen Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion mit leibhaftigen Millenials in der Altersrange von 18 bis 23 Jahren, die die Frage diskutieren, warum Ältere Angst vor ihnen haben. Einig sind sich alle darin, dass scheinbar die anderen die grundsätzliche Sorge vor Veränderungen haben und alle Diskutanten für sich eine Arbeitsumgebung mit maximaler Freiheit wünschen. Über das Bedienen stereotypischer Muster kommt diese Runde leider nicht wirklich hinaus.
Beim abschließenden Netzwerk-Lunch wird deutlich, dass unter den vielen internationalen Gästen doch auch einige Deutsche sind, die für spanische Firmen arbeiten. Scheinbar hat die deutschstämmige Initiatoren Sylvia Taudien von Advantage Consultores auch in dieser Community ein besonders gutes Netzwerk. Diese Reise nach Barcelona hat sich gelohnt. Wer gute bis sehr gute Inhalte an einem Ort mit hohem Freizeitwert sucht, wird bei dieser Konferenz fündig.

Eine schöne Konferenz – und „Matthis“ Meifert klingt auch nicht so schlecht 🙂

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