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Mit „Google for Jobs“ wird sich die Online-Jobsuche maßgeblich verändern, sagen nicht wenig Recruiting-Experten. Lange wurde es für Deutschland angekündigt. Nun kommt es tatsächlich. Das Thema wird heiß diskutiert. Tristan Niewöhner von persomatch beschäftigt sich seit längerem mit „Google for Jobs“ und gibt im Interview eine erste Einschätzung ab. 

Google testet nun nach langer Ankündigung endlich auch in Deutschland die Stellensuche mithilfe ihrer Suchmaschine. Es wird schon längere Zeit eine Menge Hype um das Thema gemacht. Wie schätzt du das ein? Ist das wirklich ein Gamechanger im Recruiting?
Ich glaube, dass sich durch „Google for Jobs“ im Recruiting einiges ändern wird. Und zwar auf beiden Seiten. Warum sollten die Jobsuchenden jetzt noch die einzelnen Jobbörsen umständlich durchsuchen, wenn sie in der „Google for Jobs“-Box die für sie relevantesten Stellen direkt angezeigt bekommen? Und die vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen haben durch die neue Box auf der ersten Suchergebnisseite kaum noch Platz für organische Ergebnisse. Für sie wird es also wichtig sein, eine direkte Google-Anzeige so aufzubauen, dass sie einen der verbleibenden drei bis vier Anzeigenplätze auf der ersten Seite bekommen, und ihre Stellenanzeige so zu strukturieren, dass Google sie für die „Google for Jobs“-Box relevant befindet.

Werden Online-Stellenbörsen wie Monster unnötig? Oder ist der Kuchen groß genug für alle?
Unnötig werden diese Jobbörsen vielleicht nicht, aber sie werden sich mit den Themen SEA (Search Engine Advertisement) und Google-Standards auseinandersetzen müssen. Denn nur so werden die Stellenanzeigen auch in der „Google for Jobs“-Box gezeigt. Und ich kann mir vorstellen, dass die Kunden, also die Mitarbeiter suchenden Unternehmen, darauf bestehen werden.

Es wird für alle Arten von Jobs interessant sein

Für welche Art von Jobs wird Googles Stellensuche besonders interessant sein?
Da so ziemlich alle Branchen unter Fachkräftemangel leiden, denke ich, dass „Google for Jobs“ für alle Arten von Jobs interessant sein wird. Da Google bisher in allen Sparten, in denen sie sich bewegen, Marktführer geworden ist, wird das wohl auch bei „Google for Jobs“ passieren. Also sollten die Unternehmen, die schnell geeignete Bewerber finden möchten, für Googles Plattform relevante Stellenanzeigen erstellen.

Was rätst du Arbeitgebern? 
Da Jobsuchende nur noch eine Quelle befragen müssen, ist diese Art von Jobsuche für sie sehr bequem. Die Arbeitgeber sollten deshalb auf „Google for Jobs“ mit ihren Stellenanzeigen präsent sein. Dafür müssen sie sich mit dem Thema „strukturierte Daten“ auseinandersetzen, genauso wie mit den Kriterien, um für Google relevant zu erscheinen. Zum Beispiel müssen die Stellenanzeigen hinsichtlich der Suchwörter und deren Kombinationen optimiert werden. Auch müssen für Google spezielle Informationen im Quelltext der Seite hinterlegt werden, wie zum Beispiel die genaue Stellenbeschreibung, das anbietende Unternehmen, der Ort und vieles mehr. Auch die SEO-Standards müssen beachtet werden: Seitentitel, Überschriften, etc. Auf der Seite www.schema.org hat Google zusammen mit anderen Global Playern zusammengestellt, wie Jobangebote für Suchmaschinen am besten aufbereitet werden können.

Was denkst du, wie wird sich der Recruiting-Markt in den kommenden Jahren ganz grundsätzlich verändern?
Ich gehe davon aus, dass es eine Verschiebung geben wird, was die Online-Jobsuche betrifft: weg von den klassischen Jobbörsen hin zu Google. Ich kann mir auch vorstellen, dass „Google for Jobs“ in einiger Zeit kostenpflichtig wird.


Disclaimer: HRpepper ist an persomatch beteiligt.

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