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Mai und Juni sind die Monate der besonders interessanten Events. Zwei Wochen nach dem Hoffest von HRpepper folgt eine weitere spannende Veranstaltung in Berlin, die von HRpepper unterstützt wird. Allein der Titel klingt vielversprechend: „Die Angst vor der Freiheit – neue Konzepte für neue Arbeit“. Wir haben einen der Organisatoren, Andreas Zeuch, zu diesem Highlight befragt.

 

Andreas, am 15.6. veranstaltet Ihr in Berlin eine „transsektorale (Un-)Conference mit dem Titel „Die Angst vor der Freiheit – neue Konzepte für neue Arbeit“. Der Titel ist ungewöhnlich. Wie ist er entstanden?
Wenn Du den Titel ungewöhnlich findest, Jan, haben wir schon mal ein Ziel erreicht – zumindest bei Dir. Er ist deshalb entstanden, weil ich als Berater immer wieder die Erfahrung mache, dass die „Angst vor der Freiheit“ auf allen Ebenen einer Organisation im Wandel bei verschiedenen Akteuren eine Rolle spielt: Führungskräfte sorgen sich um ihre bisherigen Positionen, um hart erarbeitete Gestaltungsmacht, um Privilegien und einfach darum, was sie denn zukünftig noch machen, wenn die Mitarbeiter selbst entscheiden sollen und dürfen. Die Mitarbeiter wiederum haben so manches Mal Angst, die neue Gestaltungsmacht anzunehmen und Fehler zu machen, wenn sie entscheiden. Was wiederum mit einer häufig restriktiven Fehlerkultur zusammenhängt.

Geht neues Arbeiten immer mit Angst einher?
Immer sicherlich nicht. Vielleicht auch nicht oft, aber immer wieder. Gerade in Zeiten zunehmender Unsicherheit und schwindender Planungssicherheit kann natürlich Angst durch diese Unsicherheit entstehen.

Siehst du denn, wenn du an die Zukunft der Arbeit denkst, automatisch ein Mehr an Freiheit auf die Menschen zukommen?
Nein, einen Automatismus sehe ich nicht. Aber Möglichkeitsräume zu freierer (Mit)Gestaltung.

Was fasziniert dich am Thema?
Ich bin einfach selbst ein gebranntes Kind im Rahmen formal-fixierter Hierarchien. Ich war ja nicht immer freiberuflich tätig, bzw. jetzt als angehender Geschäftsführer des eigenen Unternehmens. Das war einer der Gründe, mich zunehmend mit Selbstorganisation zu befassen. Außerdem faszinieren mich die Möglichkeiten kollektiver Intelligenz, die wir vor allem dann freisetzen können, wenn wir sie mit selbstorganisierten Entscheidungsräumen kombinieren.

Auch das Gesellschaftsrecht muss angepasst werden

Ihr schaut bei der Veranstaltung auch mit dem Blick des Politischen oder der Kunst auf das Thema. Warum diese übergreifende Perspektive? Haben wir nicht – allein mit dem ökonomischen Blick – schon genügend Herausforderungen?
Ja, wir haben schon in der Wirtschaft alleine reichlich Herausforderungen. Das ändert aber rein gar nichts daran, dass wir zumindest auch die politische Perspektive miteinbeziehen sollten und müssen. Wir sollten sie einbeziehen, weil in den empirischen Politikwissenschaften alternative (demokratische) Konzepte diskutiert werden, die auch für Organisationen äußerst nützlich sein können, zum Beispiel das Losverfahren statt Wahlen. Ich denke da an Führungskräftewahlen. Und wir müssen die Politik miteinbinden, da zumindest jede Kapitalgesellschaft durch den aktuellen gesetzlichen Rahmen, wie zum Beispiel das GmbH-Gesetz maßgeblich geprägt sind. Da können wir natürlich eine partizipative Kultur entwickeln. Zurzeit kann aber ein Geschäftsführer beispielsweise eine soziokratische Organisationsstruktur jederzeit wieder kippen. Wir müssen also auch das Gesellschaftsrecht an die veränderten Herausforderungen adaptieren.
Kunst finden wir deshalb sehr wichtig, da idealtypische Künstler gewissermaßen die Reinform selbstbestimmten Arbeitens darstellen. Zudem betrachten wir gerade auch unternehmerisches Handeln als einen Gestaltungsprozess, der viel von künstlerischer Gestaltung lernen kann.

Welche Speaker habt Ihr?
Für den Sektor Wirtschaft haben wir Jessica Wigant gewonnen. Sie leitet die Deutsche Bahn Personalservice mit rund 1000 Mitarbeitenden. Sie sind aktuell in einem herausfordernden Transformationsprozess hin zu mehr Agilität und Selbstorganisation, den ich als Berater begleite. Jessica wird in Ihrer Keynote über diesen noch laufenden Prozess berichten.
Für den Sektor Politik haben wir Jason Brennan, Professor für Strategie, Ökonomie, Ethik und Politik an der Georgetown University in Washington für uns begeistert. Er ist Autor des Buches „Gegen Demokratie“, in dem er als Demokrat die aktuelle (amerikanische) Demokratie analyisiert und Lösungen für das Problem mangelnder Kompetenz vieler Wähler vorschlägt.
Für den Sektor Kunst spricht Shelley Sacks, Professorin für Soziale Plastik und Direktorin der Social Sculpture Research Unit der Oxford Brookes University. Hier wollen wir noch nicht allzu viel über die Inhalte ihrer Keynote verraten – nur soviel: Es wird voraussichtlich interaktiv.

Die Teilnehmer können jederzeit in den Diskussionskreis kommen

Was erwartet die Gäste noch am 15.6? Erzähl mal ein bisschen, was das Besondere Eures Events ist?Neben den eben kurz skizzierten Keynotes mit anschließenden Diskussionen wird es noch Workshops geben, die wir kuratiert haben. Beispielsweise wird unsere Beraterkollegin Julia Culen aus Wien eine von ihr initiierte Studie an der dortigen Universität mit rund 350 Studierenden berichten und sie mit den Teilnehmern diskutieren. Ihre Ergebnisse erzählen nämlich eine ganz andere Geschichte als das, was aktuell immer wieder über die Bedürfnisse der Generationen Y/Z behauptet wird. Julia hat einen Vorgeschmack schon im Blog der Unternehmensdemokraten publiziert.
Des Weiteren wird es noch Sessions geben, die durch die Teilnehmer selbst gestaltet werden. Das Besondere: Die Vorschläge dazu werden bereits vor der Veranstaltung über ein Online-Verfahren erarbeitet, zu dem alle Teilnehmer einen Zugang bekommen. Am Ende werden wir mit den Keynote-Speakern eine partizipative Podiumsdiskussion führen, bei der jederzeit die Teilnehmer mit in den Diskussionskreis kommen können.
Last not least haben wir einen Dialograum für Unternehmen eingerichtet, die sich dort als Aussteller präsentieren können und durch uns interaktiv miteinander und mit dem Publikum vernetzt werden.

Worauf freust du Dich persönlich?
Schwere Frage. Ich kann da gerade etwas Einzelnes nicht hervorheben. Sagen wir so: Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns gelingt, die sehr unterschiedlichen Blickwinkel auf das Thema „Zukunft der Arbeit“ mit den Teilnehmern gemeinsam zu vernetzen, so dass wirklich neue Ideen entstehen, wie wir die adressierte „Angst vor der Freiheit“ nachhaltig überwinden können.

Wie kann man sich anmelden?
Ganz einfach über unsere Website: https://priomy.events/home/tickets-buchen/ Und wer sich alles noch genauer ansehen will: www.priomy.events


Foto:  © von-garnier.de 

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