HR Pepper Team 08/09-2017

HRpepper-Gründer Matthias Meifert würde sich häufiger wünschen, dass alle agilen Konzepte, Prozesse und Methoden erst eingeführt werden, wenn den Beteiligten die damit verbundenen Ziele klar sind. Einem Kunden hat er genau das kürzlich klipp und klar gesagt.    

Manchmal träume ich – und manchmal sogar von meiner Arbeit. So wie neulich, an einem Nachmittag. Mit der Autobiografie des Sängers von Iron Maiden, Bruce Dickens, hatte ich es mir auf der Couch gemütlich gemacht. Ich staunte über seinen kurvenreichen Lebenslauf und seine merkwürdigen Verhaltensweisen in der Jugend. Nach ein paar wirklich unterhaltsamen Seiten fielen mir die Augen zu…

…und befand mich schlagartig in einer anderen Welt.

Ich warte an einem hochfrequentierten Airport auf meinen verspäteten Flug. Es ist stickig und den vielen Mitreisenden sieht man nicht nur ihr Tagwerk an, man riecht es auch ein wenig. In meine Langeweile drängt sich ein Klingeln des Smartphones. Am anderen Ende der Leitung ist ein langjähriger Kunde. Er klingt sehr begeistert und aufgekratzt. Es platzt aus ihm heraus: „Ein Wunder ist geschehen, endlich: Wir werden agil.“ Ich erwidere mit nachdenklichem Unterton: „Das freut mich. Aber sind Sie sich ganz sicher, was Sie da tun?“
Etwas beleidigt kommt die prompte Antwort: „Sie klingen ja nicht wirklich begeistert. Ich dachte HRpepper berät Firmen dabei, agil zu werden. Wir werden das jedenfalls machen. Jeder macht das. Das bringt uns richtig voran.“ „Stimmt“, erwidere ich, „viele meinen agil zu werden oder gar zu sein. Aber sind sie das wirklich? Wissen Sie, wirklich, wirklich was Sie da tun?“

Spätestens jetzt ist die Begeisterung meines Gesprächspartners aus seiner Stimme gewichen: „Was sind denn die Alternativen? Wir brauchen doch Antworten auf die VUKA-Welt!“, sagt er fast verzweifelnd, und das Konzept der Agilität sei doch sehr vielversprechend.
„Das mag stimmen“, erwiderte ich geschäftsmäßig. „Trotzdem würde ich „Nein“ sagen: ‚Nein‘ zu Agile, ‚Nein‘ zu Scrum, ‚Nein‘ zu Kanban, ‚Nein‘ zu Lean, ‚Nein‘ zu Six Sigma, ‚Nein‘ zu DevOps und ‚Nein‘ zu allem anderen, was man sich vorstellen kann. Es folgt eine längere Pause. Mir scheint, dass mein Gesprächspartner nun vollends irritiert ist. „Das hätte ich aus Ihrem Mund so nicht erwartet“, sagt er.
„Verstehen Sie mich nicht falsch“, fuhr ich fort. „Ich würde solange die Finger von diesen Methoden und Praktiken lassen, bis jeder, ja wirklich jeder in Ihrer Organisation verstanden hat, welche Herausforderungen damit gelöst werden sollen. Ist das gelungen, dann sagen Sie gerne ‚Ja‘. ‚Ja‘ zu allem, was Sie dorthin bringt. Aber nur dann.“

Sorgenvoll lausche ich in den Hörer und bin auf alle möglichen Reaktionen meines Gesprächspartners vorbereitet. Überrascht höre ich eine Stimme aus der Ferne: „Papa, Papa, nun komm doch endlich. Wir wollen los…“ Vor mir steht mein fünfjähriger Sohn und zupft an meinem Ärmel. Etwas benommen stehe ich auf und frage mich, ob ich in der Realität auch so klar gewesen wäre…

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Der Sänger heißt übrigens Dickinson

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