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Xing hat mit seiner geplanten Umfirmierung in New Work SE in den Netzwerken für Wirbel gesorgt. Die Entrüstung war bei der Mehrheit groß. Auch Matthias Meifert hat die Ankündigung keine Ruhe gelassen. So sehr hat sie ihn beschäftigt, dass er sich mit einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Xing SE, Thomas Vollmoeller, wenden musste.

Lieber Thomas Vollmoeller,

Kompliment, da haben Sie ja einen echten Marketingcoup gelandet. Der schlägt noch mehr ein als Ihr damaliges medienwirksam inszeniertes Sabbatical. Schon damals kamen wir alle aus dem Staunen nicht heraus. Sie waren der erste CEO einer börsennotierten Aktiengesellschaft, der ganz freiwillig mit einem laufenden Vertrag eine Auszeit nahm. Potzblitz, soviel Pioniergeist verpflichtet. Das verstehe ich nur zu gut. Nun untermauern Sie ihre Ausnahmestellung als erster New Worker im Land, in dem sie gleich die ganze Firma so benennen. Das ist irgendwie stringent. Wahrscheinlich standen die Begriffe agil, Ambidextrie, Augenhöhe, Work out Loud, demokratisches Unternehmen, Selbstbestimmung, VUCA & Co. auch auf ihrem Zettel. Aber sie haben ihr Herz an New Work verloren. Das verstehe ich vollkommen. Wir sollten diese besondere Beziehung einfach akzeptieren, so wie sie ist. New Work gehört jetzt zu Xing wie Adam zu Eva, Romeo zu Julia und Bonnie zu Clyde.

„Kalte Enteignung der New-Work-Bewegung“?

Nun, Neider gibt es immer. Besonders dann, wenn zwei Traumpartner wie New Work und Xing zueinander gefunden haben. Die kollektive Aufregung wird sich bestimmt bald wieder legen. Dass viele Leute aus der Community meinen, dass Xing weder Initiator noch Vordenker noch prägende Kraft von New Work gewesen ist? Schwamm darüber. Dass der stets abgewogen und moderat argumentierende Herausgeber des Personalmagazins Reiner Straub in diesem Schritt gar eine „kalte Enteignung der New-Work-Bewegung“ sieht? Eine verirrte Einzelstimme. Dass viele kleine Akteure im Markt Schaden nehmen könnten, weil sehr umfassende Markenrechte von Xing für New Work beantragt sind und zukünftig dazu juristische Konflikte entstehen könnten. Was soll’s? Das kommt schon mal vor.

Ich verstehe Sie nur zu gut, lieber Thomas Vollmoeller. Sie müssen was tun, dann schon seit Jahren verliert Xing deutlich Marktanteile an LinkedIn. Die Akquisition von Kununu bleibt weit hinter den Erwartungen. Das vor der Markteinführung stehende Produkt Google for Jobs macht die Sache auch nicht gemütlicher für Ihre Plattform. Ganz zu schweigen davon, dass bei Facebook, Indeed, LinkedIn, Monster und Co. neue Konzepte in der Vorbereitung sind. Der Mehrheitsaktionär Burda Digital wünscht sich neue Ertragsquellen und dem wollen sie nachkommen mit dieser Umfirmierung und wohl weiteren kommerziellen New Work-Produkten.

Die Frage nach der Emanzipation des Individuums

Das das nichts mit New Work im eigentlichen Sinne zu tun hat, ist Ihnen wie all denjenigen klar, die sich in ihrem täglichen Handeln dafür einsetzen, dass die Arbeitswelt von morgen immer etwas besser wird. Es wird spannend zu sehen sein, wann die ersten ihren Xing New Work Award zurückgeben oder sich Jurymitglieder und Sponsoren von der „New Work Experience“ in Hamburg zurückziehen. New Work ist letztendlich die Frage nach der Emanzipation des Individuums. Die Kraft, die von dieser Freiheit ausgeht ist nicht zu unterschätzen. Das allerdings haben auch schon viele andere vor Ihnen getan, lieber Thomas Vollmoeller.

1 Kommentar

Das „vor der Markteinführung stehende Produkt Google for Jobs“ wartet nun schon nahezu 1 3/4 Jahre auf die Betriebsaufnahme in Deutschland. Wenn diese „Dringlichkeit“ weiter so anhält, lachen sich Stepstone, Indeed & Co weiterhin ins Fäustchen.
Wenn schon Aktionismus, hätte sich Xing auf NewWorkXing festlegen sollen.

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