HR Pepper Hoffest 01.06.2018

„Trotz allem Spaß und Gestaltungsmöglichkeiten ist Gründen aber auch harte Arbeit. In unserem Treppenhaus in der Remise steht der Satz: ‚You don´t have to see the whole staircase. Just take the first step.‘ Diese Haltung ist mir sehr sympathisch und hat mir geholfen, diese Mammutaufgabe zu bewältigen.“ HRpepper-Gründer Matthias Meifert im Consulting.de-Interview über die erste Zeit bei HRpepper und seine Sicht auf Beratung.

Herr Meifert, HRpepper schreibt sich auf die Fahnen, Organisationsberatung etwas anders zu leben als andere. Was macht Ihrer Ansicht HRpepper besonders?

Viele sagen uns, dass wir in den letzten Jahren etwas Außergewöhnliches erreicht haben. HRpepper ist gerade einmal knapp sechs Jahre am Markt und zählt schon länger zu den führenden people-orientierten Beratungen in Deutschland. Sätze wie: „Wenn ich einmal Berater werden würde, wäre ich das auf jedem Fall bei Euch.“ Oder „Ihr schafft es, an unserer Organisation ordentlich zu dehnen ohne dass es reißt. “, freuen uns natürlich sehr.

Das sagt mir, dass es scheinbar gelungen ist, ein Gebilde zu schaffen, in dem Menschen gerne miteinander und unseren Kunden arbeiten. Wer uns kennenlernt bemerkt: Wir sind irgendwie anders. Wir sind keine klassische Unternehmensberatung und wollen es auch nicht sein. Unser Denken und Handeln wird durch etwas bestimmt, das wir Pepper-Style nennen. Diese von allen Peppers geteilten Wertsätze und Prinzipien sind ein Ideal. Nicht immer erreicht, aber doch ziemlich oft. Der Pepper-Style bezieht sich sowohl auf unsere Arbeitsweise mit unseren Auftraggebern als auch auf das Zusammenspiel der Peppers untereinander. Außen und innen sind für uns zwei Seiten einer Medaille.

Wir sind fest davon überzeugt, dass außergewöhnliche Kundenerlebnisse auf ansprechenden Mitarbeitererlebnissen basieren. Und gute Mitarbeitererlebnisse wiederum auch aus inspirierenden Kundenerlebnissen entstehen. Diese Haltung könnte nicht nur, sondern sollte durchaus auch handlungsleitend für HR sein.

Sie waren Teil einer erfolgreichen HR-Beratung bevor Sie damals zu eigenen Horizonten aufgebrochen sind. Wieso tut man sich dann die Ungewissheit eines eigenen Startups an?

Ein Journalist hat mich schon vor langer Zeit gefragt, ob ich es immer schon vor hatte zu gründen. In diesem Moment wurde mir erst klar, dass ich eigentlich schon sehr lange darauf hingearbeitet hatte, ohne dass es mir so bewusst war. Seit ich Unternehmer bin, denke ich ganz häufig an meine Zeiten als abhängig Beschäftigter zurück und freue mich in mich hinein: Das kann nicht wahr sein, das ist doch alles pure „Selbstverwirklichung“.

Trotz allem Spaß und Gestaltungsmöglichkeiten ist Gründen aber auch harte Arbeit. In unserem Treppenhaus in der Remise steht der Satz: „You don´t have to see the whole staircase. Just take the first step.“ Diese Haltung ist mir sehr sympathisch und hat mir geholfen, diese Mammutaufgabe zu bewältigen. Erfreulicherweise interessieren sich viele Start-Up-Unternehmer für meine Erfahrungen und ich darf diese in Vorträgen, Seminaren und Beratungen teilen. Was ich immer besonders herausstelle, sind vier Prinzipien:

1. Sei besessen,
2. Sei konsequent,
3. Steh (wieder) auf und
4. Sei gut zu Menschen.

New Work, WOL, Ambidextrie, Agile, Transformational HR … HR kann nicht über Langeweile klagen, was die Verfügbarkeit neuer Heilsperspektiven angeht. Welche Rolle spielen diese neuen Themen bei Ihnen und Ihren Kunden?

Wir fühlen uns sehr dem Konzept der evidenzbasierten Beratung verbunden. Im Kern geht es um die Frage, wie die Befundlage zu unseren Empfehlungen ist. Wohl wissend, dass die Managementforschung der Praxis häufig zeitlich hinterherhinkt, finde ich es extrem hilfreich einmal die Ergebnisse der Metastudien zu den großen Fragen und Annahmen zu kennen.

Ich habe wenig Verständnis für die vielen selbsternannten Vordenker, die normativ den einzigen richtigen Weg proklamieren. Dieser kann nach meiner Überzeugung nur in Co-Creation mit der Organisation gefunden werden basierend auf verlässlichen Metaanalysen. Leider haben diese Personen sich häufig nicht die Mühe gemacht, die Studienlage zu kennen, geschweige die eigenen Empfehlungen im eigenen Unternehmen umzusetzen.

Natürlich spielen im Dialog mit unseren Kunden auch „neue Themen“ wie New Work“ oder agile Organisationen bzw. agiles Arbeiten eine Rolle. Und ja, sicherlich kann man ein paar grundsätzlich Aussagen treffen wie beispielsweise, dass eine Führung nach Command and Control in den meisten Firmen eher ein Auslaufmodell ist oder es schwierig wird, langfristige Planungen zu machen ohne sie immer wieder zu überprüfen.

Dennoch ist unsere Maxime, dass wir stets eine individuelle Antwort auf individuelle organisationale Herausforderungen finden wollen – und das gemeinsam mit dem Kunden. Das heißt: Es muss erst einmal klar sein, welches Problem es zu lösen gilt. Und dann mag eine Lösung eventuell in mehr Kundenzentrierung, agilen Methoden oder netzwerkartigeren Strukturen liegen – oder es sind einfach Lösungen, die total unsexy sind, aber dafür den Kunden tatsächlich helfen.

Eine kritische Einstellung gegenüber den neuen Heilsprophezeiungen ist gesund. Umso mehr muss man dann eine eigene, möglichst ganzheitliche Alternative bieten. Wie verändern Sie mit Ihren Kunden Kulturen und Organisationen?

Wir bieten keine Lösung, die wir für alle Organisationen als Allheilmittel gilt. Dennoch kann man durchaus sagen, dass es häufig sinnvoll ist, wenn eine Struktur sich aus dem Selbstverständnis bzw. einer Strategie sowie aus dem konkreten Leistungsangebot für die Kunden einer Organisation ableitet. Das gilt für ein Unternehmen als Ganzes genauso wie für die Personalfunktion. Je nachdem welche Aspekte eines HR-Produktportfolios aus Kundensicht besondere Aufmerksamkeit bedürfen, sollte dies bei der Gestaltung des HR-Organisationsmodells als Richtschnur genommen werden.

Kulturen zu verändern ist in jedem Fall das dickere Brett. Aber im Zeitalter der Digitalen Transformation der Bereich, in dem das Spiel entschieden wird. Heute macht eine starke, aber veränderungsfähige Kultur den Unterschied. Kulturen lassen sich aktiv beeinflussen, aber nur, wenn einerseits ausreichend viele Entscheider im Unternehmen 100 Prozent hinter dem angestrebten Wandel stehen und andererseits neben sichtbaren Veränderungen auf der Organisationsebene wie zum Beispiel Veränderungen in der Architektur, auch die Verhaltensebene der Individuen sowie ihre Einstellungen, ihr „Mindset“, mit in den Fokus rücken. Daran kann man arbeiten. Ich glaube aber nicht daran, dass ein kompletter Change nur durch eine Gras-Root-Bewegung hervorgebracht werden kann.

Sie veranstalten jedes Jahr Ihr Hoffest, was mittlerweile eine ganz eigene Marke geworden ist. Was planen Sie noch an besonderen Pepper-Ansätzen?

Wir sind gerade mit Partnern aus unserem Ökosystem dabei, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zu viel kann ich aus verständlichen Gründen dazu gerade noch nicht verraten. Sicher ist, dass wir uns an jungen Unternehmen beteiligen und neue Themen erschließen werden. Die Bandbreite reicht von Konzepte zur Gamification über neue Wege des Personalmarketings bis hin zu Konzepten die weit über unser aktuelles Geschäftsmodell hinausgehen. So haben wir bspw. mit den Gründern des weltbekannten Wacken Festival eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Die Metal Summit GmbH

Die Vision ist mit rockaffinen Persönlichkeiten eine regelmäßige Managementkonferenz aus der Taufe zu heben, die sich hinsichtlich Erlebnisqualität, Offenheit und Anspruch von allem unterscheidet, was der Konferenzmarkt bietet. Im letzten Jahr hatten wir dazu schon eine Vorabveranstaltung mit rund 50 Persönlichkeiten in den Bergen von Salzburg. Wir haben gemeinsam in Co-Creation ein inspirierendes Konzept erarbeitet, einem Key-Note-Referat des Iron Maiden Frontman Bruce Dickinson gelauscht und gemeinsam bei einem Hard Rockkonzert gefeiert.

Was denken Sie, wie sich Organisationen und ökonomische Systeme verändern werden? Was kommt da auf uns zu?

Ich bin kein Hellseher und auch kein Prophet. Ich weiß nur, der Wandel wird gewaltig sein und es ist ratsam, offen für die Veränderungen zu sein bzw. „Lust auf Zukunft zu haben“, wie wir bei HRpepper häufig sagen. Ich gehe nicht mit den Untergangsszenarien mit, die man häufig in den Medien lesen kann. Ich denke, dass wir eine gute Chance haben, die Zukunft zu gestalten, wenn wir mutig sind, es schaffen all die brachliegenden Potenziale zu heben, Vernetzung ernsthaft leben und moderne Technologien wie künstliche Intelligenz kontrolliert in unser Leben lassen. Wir brauchen aber ein positives Bild von der Zukunft, das die Leute mitnimmt und ihnen diese Lust auf das Morgen macht.

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