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Vor einigen Tagen chatteten Matthias Meifert und Jan C. Weilbacher spätabends aus dem Home Office zur Corona-Krise. Spontan haben die beiden beschlossen, den kurzen Chat-Verlauf zu veröffentlichen.

 

Lieber Matthias,

nun schlafen bei mir endlich alle drei Kinder. In Corona-Zeiten hat sich unser Rhythmus verschoben: Alle schlafen länger und gehen später ins Bett. Mittlerweile kriegen wir den Alltag hin, alle unter einem Dach, den ganzen Tag. Erstaunlich wie schnell man sich daran gewöhnt, auch wenn die Produktivität leidet.

Lg J

 

Lieber Jan,

 ja, es ist schon faszinierend, wie schnell sich eine Familie auf einen ganz anderen Lebensrhythmus einstellt. So ganz einfach ist das aber bei uns auch nicht. Obwohl wir einen Garten haben und einander auch mal temporär aus dem Weg gehen können, ist das eine ganz neue Intensität. Begeistert bin ich, wie positiv unser 8-Jähriger auf das Kanban-Board reagiert hat und dass er seine Schulaufgaben meistens freiwillig angeht.

 Lg M

 

Lieber Matthias,

es gibt bei uns sicherlich keinen Grund zu jammern bzw. sind die Organisationsherausforderungen alles Luxusprobleme. Vielmehr besorgen mich die Folgen der Krise für Gesellschaft und Wirtschaft. Eine solche tiefgehende Krise, und alle Bereiche sind betroffen – ein Angebots- und ein Nachfrageschock zur gleichen Zeit, das gab es noch nie. Selbstständige, denen alles weggebrochen ist, geschlossene Läden und Restaurants, Produktionsstopp in manchen Betrieben – ich hätte das nicht für möglich gehalten. Und was mich am meisten beschäftigt: Dass ein Ende nur vage in Sicht ist. Auch nach dem Shutdown ist vieles ungewiss. Es wird sicherlich nur langsam hochgefahren. Was rät man eigentlich kleinen Unternehmen, wenn niemand die Frage beantworten kann, wie lange die Krise dauert? Was meinst du? Kann man Firmenchefinnen und Unternehmenslenkern überhaupt etwas raten?

Lg J

 

Lieber Jan,

jeder Unternehmer ist aktuell damit beschäftigt, die Vitalfunktionen der Organisation in kurzen Fristen zu monitoren. Ein wirtschaftlich langer Atem ist jetzt besonders wichtig. Dabei helfen die Finanzexperten, Bundesagentur für Arbeit, Hausbanken und KfW. Wohl dem, der in der Vergangenheit immer sehr konservativ seine Finanzen gesteuert hat.

 Neben den existenziellen Fragen lohnt es aber auch an die Zeit nach der Krise zu denken: Jetzt ist eine perfekte Gelegenheit – wenn es finanziell möglich ist – sinnvolle Innovationen anzugehen, den Kompetenzaufbau im Team zu forcieren und gründlich aufzuräumen was beispielsweise Prozessschwächen & Co angeht. Wichtig ist dabei immer zu berücksichtigen: Diese Krise ist auch eine Charakterprobe für Unternehmer bzw. für das Management und damit unmittelbar eine starke Intervention in die Kultur. Gelingt es möglichst geschlossen und gegenseitig unterstützend aus diesen Wochen heraus zu kommen, dann stärkt es den Zusammenhalt ungemein. Das Gegenteil gilt selbstverständlich aber auch…

Lg M

 

Lieber Matthias,

dass der wesentliche Fokus den „Vitalfunktionen“ gelten sollte, dass es zuerst um die Stabilität geht, das leuchtet sehr ein. Und ich stimme Dir auch zu, dass das Managen von Krise auch eine Frage des Charakters ist, dass sich gerade in der Krise zeigt, wie der Zusammenhalt wirklich ist und was Führung zu leisten imstande ist. Da bin ich froh, bei HRpepper zu sein.

Wo ich meine Fragezeichen habe, ist, ob man jetzt an die Zeit nach der Krise denken kann. Ich könnte mir vorstellen, dass es vielen schwerfällt. Denn wann ist „nach der Krise“? Wohl erst, wenn es einen Impfstoff für die breite Masse gibt. Und wie sieht diese Zeit dann aus? Niemand weiß es. Und nun besteht die große Herausforderung für Führung trotzdem irgendwie Orientierung zu geben. Man sagt ja im Rahmen von Change hilft es, ein positives Zukunftsbild zu zeichnen, um Menschen für Veränderung zu gewinnen. Aber ein solches Zukunftsbild kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand malen. Wie kriegt man dennoch Energie in die Organisation – in Prozessverbesserungen, in Innovation? Nicht wenige Unternehmen fahren Kurzarbeit, woher kommt die Energie?

Ich sehe, dass viele auch in Corona-Zeiten einen guten Job machen, vor allem weil sie professionell sind. Sie wollen einfach eine gute Arbeit machen. Sie wollen verantwortungsvoll handeln. Das hat was mit Anstand zu tun. Aber woher kommt in so einer Zeit die Extrameile, woher kommt die Energie, in der Corona-Krise motiviert alles für die Zukunft, für Innovation und Transformation zu machen? Die Unternehmen fahren ja auf Sicht, das Ziel, die Vision, ist ziemlich unklar.

Lg J

 

Lieber Jan,

nicht genau zu wissen, wie die Zukunft aussieht, heißt nicht, sich nicht vorbereiten zu müssen. Es ist eine Reise, die jetzt beginnt, und es gilt, das richtige Gepäck zu haben, um für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Organisationen müssen mehr denn je anpassungsfähig sein, was zum Beispiel die Strategie angeht, aber auch ein starkes Fundament haben, und dazu gehört für mich die Kultur, der Zusammenhalt.

Wenn ich mich selber beobachte, oszillieren meine Gedanken zwischen Verantwortung für unsere Kunden, für jeden einzelnen Pepper und die gesamte Organisation. Mich beschäftigt intensiv, wie wir auch in dieser Bedrohungslage, das kulturell hochhalten, was uns stark macht und einzigartig. Mir scheint, dass das recht gut gelingt, sagen zumindest viele von uns. 

Ich freue mich wirklich, das gesamte HRpepper-Team zwei Mal in einem All-Hands-Video-Call je Woche für einen emotionalen Check-In zu sehen. So oft bekommen wir einander im Alltag nicht zu Gesicht und die Offenheit untereinander ist wirklich beeindruckend.

Lg M

 

Lieber Matthias,

ja, sich auf den Weg machen, ohne genau zu wissen, wohin es eigentlich geht, das erleben wir jetzt. Und trotzdem ist es wichtig, dass gute Führung präsent ist, eine Führung, die Verantwortung übernimmt und sich durch die richtige Haltung auszeichnet. Wobei ich finde, dass – so wie bei HRpepper – möglichst viele Führung übernehmen. Und doch braucht es zusätzlich mehr denn je eine Antwort auf die Frage: Wozu? Ich meine, dass die sinnstiftende Tätigkeit nach Corona wichtiger wird.

Eine Pepper-Kollegin von uns hat mir neulich von einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Bundesagentur erzählt. Sie sprachen nebenbei über den momentan sehr belastenden Alltag, weil die Arbeitsagenturen bombardiert werden mit Fragen und Anträgen. Uns unsere Kollegin hat ihr am Telefon quasi ein Coaching gegeben, obwohl die beiden eigentlich ein anderes Thema hatten. Der Agenturmitarbeiterin hat es geholfen. Ich habe unsere Kollegin beneidet. Weißt Du, was ich meine?

Lg J

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