HR Pepper Team 08/09-2017

Matthias Larose beschäftigt sich seit über 18 Jahren mit den Herausforderungen der Bankenbranche. Die Digitale Transformation sei mittlerweile für alle Finanzinstitute ein strategisches Top-Thema, so Matthias Larose. Im Interview spricht der Principal Consultant und Banken-Experte über Anforderungsprofile in der Branche und seinen Beruf als Berater.

Matthias, ich habe hier schnell mitbekommen, dass Du ein wirklicher Banken-Kenner bist. Was findest du an der Branche spannend?
Ich bin früh mit einem vertrauensvollen Umgang mit Geld großgeworden. Da lag es nah, dass ich mich für eine kaufmännische Ausbildung auch nur bei Banken umgesehen und beworben habe. Während meiner Ausbildung und im späteren BWL-Studium sind mir so viele spannende Punkte im Zusammenspiel „Bank – Kunde“ und „Bank – Mitarbeiter“ aufgefallen, die mich auch heute nach über 18 Jahren Berufserfahrung in der Branche bewegen und interessieren.
Zudem gehören Finanzdienstleister zu der Branche, die aktuell mit den größten Herausforderungen zu kämpfen hat, um nachhaltig wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle zu finden. Hier gemeinsam mit unseren Klienten Lösungen zu erarbeiten, die aus organisationaler, Kunden- und Mitarbeiterperspektive am besten passen, empfinde ich als fachlich enorm spannend und motivierend.

Wie siehst Du momentan das Thema Digitale Transformation in der Bankenindustrie? Haben die großen Banken die Herausforderungen durch die Digitalisierung und den FinTech-Startups mittlerweile erkannt?
Als FinTechs vor einigen Jahren am Bankenmarkt auftauchten, wurden sie zunächst von den großen und etablierten Anbietern belächelt. Man war der Meinung, dass der ausschließliche Fokus der FinTechs auf neuartige, stark digitale Angebote nicht zum Erfolg führen kann. Diese Ersteinschätzung gilt heute nicht mehr und wurde von der Erkenntnis abgelöst, dass Bankkunden in Zeiten von Apple und Co. sehr wohl auf einfache und intuitive Angebote rund um Bankdienstleistungen eingehen. So haben nahezu alle Banken und Finanzdienstleister das Thema „Digitale Transformation“ zu einem der strategischen Top-Themen gemacht. Es ist absehbar, dass zukünftig der Anteil an online-fähigen Bankprodukten und -dienstleistungen sich weiter erhöhen wird. Viele Banken haben jetzt begonnen, ihre Vertriebs- und Backoffice-Strukturen auf diese Veränderung vorzubereiten und den Transformationsprozess eingeleitet. Da traditionelle Bankorganisationen deutlich schwerfälliger sind als kleinere FinTech-Organisationen, wird hier die notwendige Veränderung sicherlich mehrere Jahre dauern.
Da der Markt sich aber aktuell rasant entwickelt und die demografische Entwicklung ein Vorteil für die FinTechs ist, werden meiner Meinung nach klassische Banken kurzfristig weitere Marktanteile verlieren.

Du hast sogar mal eine richtige Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Würdest Du die heute, wenn Du vor der selben Herausforderung stündest, nochmal machen?
Wahrscheinlich nicht. In meinem Abi-Jahrgang haben gefühlt 80 Prozent zunächst eine Ausbildung gemacht. Bankkaufmann war Mitte der neunziger Jahre die Königsdisziplin der kaufmännischen Ausbildungsberufe und jeder war froh, bei einer Bank oder Sparkasse einen Ausbildungsplatz ergattert zu haben. Heute erkenne ich zunehmend, dass die Inhalte der IHK-Ausbildung mehr und mehr am Bedarf der Banken vorbeigehen. Das liegt insbesondere daran, dass in Banken heute insbesondere Spezialistentum gefragt ist und eher innovative Produktspezialisten oder Programmierer eingestellt werden. Diese Qualifikationsprofile findet man leider nicht mit einem IHK-Ausbildungsabschluss zum Bankkaufmann/-frau, sondern muss sie am freien Markt rekrutieren. Viele Abiturienten sparen sich – aus meiner Sicht berechtigt – die Ausbildungszeit und qualifizieren sich lieber über andere Möglichkeiten für diese gezielte Marktnachfrage. Diesen Trend haben übrigens auch Banken erkannt und stellen zunehmend branchenfremde Mitarbeiter ein und qualifizieren diese Mitarbeiter über organisationsinterne Weiterbildungs- und Seminarangebote.

Du hast vor Deiner Zeit bei HRpepper schon bei mehreren Unternehmensberatungen gearbeitet. Was reizt dich an der Arbeit als Berater?
Ich mag die Abwechslung und die täglich neuen Herausforderungen. Ich bin froh, bisher noch nicht in einer klassischen Linienorganisation einer Bank oder einer anderen Branche gearbeitet zu haben. Mich gemeinsam mit Klienten und Kollegen in fachlich schwierige Situationen hineinzudenken, finde ich enorm wertvoll. Auch weil ich merke, dass ich mich selbst hierdurch ständig selbst hinterfrage und weiterentwickle. Dabei bin ich dankbar, auch als externer Berater häufig die Akzeptanz und Zustimmung von Führungskräften und Mitarbeitern zu bekommen, um offen und vertrauensvoll gemeinsam an Themen zu arbeiten.

Gibt es Schattenseiten?
Natürlich gibt es die. Zum einen hat die Woche deutlich mehr als 40 Arbeitsstunden und man ist ständig unterwegs. Zusätzlich bewegt man aber vor allem Themen, die in der Regel signifikante Auswirkungen für die Organisation haben und die Art und Weise, wie man zukünftig zusammenarbeiten will, maßgeblich bestimmen. Da gibt es viele positive aber auch schwierige Momente. Zum Beispiel wenn ich merke, dass aufgrund der Projektergebnisse die Tätigkeit einzelner Mitarbeiter des Klienten maßgeblich verändert wird. Hier hilft vor allem ein professionelles und transparentes Vorgehen, um auch solche Ergebnisse in einer Organisation fair zu etablieren.

Kannst du uns noch einen Buchtipp geben? Welches Buch hat dich zuletzt wirklich inspiriert?
Auf unserem Hoffest 2016 hatten wir unter anderem Lars Vollmer als Redner zu Gast. Im Nachgang habe ich sein Buch „Zurück an die Arbeit“ gelesen. An dem Buch hat mich am meisten begeistert, mit welcher Leichtigkeit sich Vollmer mit der „richtigen“ Art und Weise von Arbeit in Organisationen beschäftigt. Ein Buch, das aus meiner Sicht sehr schön zum Denken anregt, ob das, was jeder von uns in seiner täglichen Arbeit tut, noch das Richtige ist. Vollmers Motto: „Hört nie auf, über das ‚Wozu’ Eurer Arbeit nachzudenken.“


Matthias Larose ist Principal Consultant bei HRpepper Management Consultants. 

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