Warum Personal-
entwicklung und Organisations-
entwicklung zusammengehören
Personalentwicklung ist heute eine wesentliche Säule in der Organisationsentwicklung und in der Transformation Eine solche Sichtweise verlangt aber auch ein entsprechendes Rollenverständnis der Lernbegleiter:innen und PE-Strateg:innen.
Wer kennt es nicht? Team Personalentwicklung (im Team Personalmanagement, im Team Personal, im Team Corporate Funktions oder in der Abteilung Zentrale Dienste) betreut den Schulungskalender und schickt Erinnerungen an die Pflichtunterweisung zur Arbeitssichert.
Man würde meinen: Personalentwicklung ist eine Kursanbieterin am Rand des Geschehens, nicht Infrastruktur für Veränderungsfähigkeit.
Denn Transformation gelingt dort, wo Organisationen neue Fähigkeiten aufbauen, neue Verhaltensroutinen etablieren und die Rahmenbedingungen so verändern, dass das Neue im Alltag bestehen kann. Personalentwicklung wirkt: wenn sie genau diese drei Ebenen systematisch verbindet: Kompetenzentwicklung, Umsetzung im Arbeitsfluss sowie System-Anpassung.
Viele Unternehmen behandeln Lernen und Entwicklung dennoch immer noch wie ein Nebenprodukt. Es gibt Angebote, Plattformen, Seminare… aber kein ernsthaftes Mandat, wenig Ressourcen, schwankende Verbindlichkeit und keinen strategischen Platz am Entscheider:innen-Tisch. Oft macht jemand PE nebenbei; das reicht für ein Kursprogramm, aber nicht für strategische Entwicklungsarbeit im Kontext von Organisationsentwicklung und Change.
Warum Veränderungsfähigkeit zur Kernkompetenz wird
Die Veränderungszyklen werden kürzer: durch Technologie, neue Wertschöpfungslogiken, regulatorischen Druck und verschobene Erwartungen an Arbeit. Praktisch jede Organisation, ob öffentlich oder privatwirtschaftlich, befindet sich in einer Form von Transformationsreise: Prozesse werden automatisiert, Systeme erneuert, Rollenbilder umgeschrieben und Zusammenarbeit neu organisiert.
Ein Beispiel sind Banken, die „Tech werden“ wollen. Dahinter steckt nicht nur ein neues IT-System, sondern ein neues Operating Model: digitale Kompetenzen, vernetztes Arbeiten, Produktentwicklung in cross-funktionalen Teams, andere Governance, neue Standards in Risiko- und Compliance-Logiken und häufig ein Kernbankensystem in der Cloud. Das ist kein Trainingsbedarf im klassischen Sinn, sondern ein Umbau von Können und Organisation zugleich.
Auch eine Landesbehörde, die E-Akte nicht nur „einführt“, sondern Ende-zu-Ende in der Fläche verankern will. Dann geht es nicht um eine Tool-Schulung, sondern um neue Prozesslogiken, klare Rollen, saubere Standards und eine Führung, die Parallelwelten konsequent beendet – damit keiner mehr sagt „zur Sicherheit noch Papier“. Mitarbeitende müssen einerseits exploitativ schnell handlungsfähig werden, andererseits explorativ lernen, Unsicherheiten auszuhalten und den Prozess iterativ zu verbessern. Wenn das gelingt, entsteht echte Veränderungsfähigkeit. Lernen übersetzt sich in neue Routinen und damit in messbar bessere Verwaltungsleistung.
In dieser Dynamik wird Lernen zum Mechanismus der Anpassungsfähigkeit. Es sorgt für kürzere Feedbackzyklen und konsequenten Transfer in den Alltag.
Was Personalentwicklung in Tranformation leisten muss
Wenn PE Teil von Organisationsentwicklung sein soll, reicht es nicht, Lernpfade entlang von Kompetenzmodellen zu konzipieren und auf Selbstlernen zu setzen. Das kann sinnvoll sein: aber nur, wenn die Organisation gleichzeitig sicherstellt, dass Lernen genutzt, angewendet und verstetigt wird.
Im Kern braucht es drei Leistungen:
- Kompetenzen aufbauen: Welche Fähigkeiten sind erfolgskritisch (heute und in den nächsten Jahren)? Welche Rollen brauchen welche Lernwege? Und welche Skills sind hygienisch (müssen alle können) vs. strategisch (entscheiden über unsere gemeinsame Zukunftsfähigkeit)?
- Lernen im Arbeitsfluss ermöglichen: Menschen ändern Verhalten selten, weil sie ein Seminar besucht haben. Menschen ändern Verhalten, wenn neue Routinen im Alltag einfacher oder sinnvoller werden und wenn sie Feedback bekommen. Lernen muss daher näher an die Arbeit: Performance Support, Communities, Praxisformate, Transferdesign.
- Systeme ausrichten: Der größte Lernkiller ist nicht fehlende Motivation, sondern ein System, das das gewünschte Verhalten bestraft: Zielsysteme, Anreize, Ressourcenlogiken, Meetings, Entscheidungswege. Wer agil trainiert, aber klassisch steuert, produziert keinen Wandel.
Wie das gelingt: Fünf Hebel einer Personalentwicklung, die Organisationsentwicklung mitliefert
Beim explorativen Lernen und zu Teilen auch beim exploitativen Lernen ist insbesondere Verhaltensänderung das Ziel. Letztlich lässt sich sogar die Digitale Transformation auf der Makroebene auf die Verhaltens- und Mindset-Änderung des Einzelnen (Mikroebene) herunterbrechen. Das effektive, kontinuierliche Lernen sowie die Bereitschaft zur Verhaltensänderung werden so zum entscheidenden Faktor, der über den Erfolg der Transformation entscheidet. Und die Personalentwicklung als Funktion hat eine Rolle, die wichtig ist wie nie: die der Veränderungsbegleiter:in oder -gestalter:in.
Die Verantwortlichen der Personalentwicklung in den Unternehmen müssen deshalb Personalentwicklung noch enger im Kontext der Organisationsentwicklung betrachten. Dies hat allerdings auch einige Implikationen für die Funktion Personalentwicklung.
1. Personalentwicklung muss auf Organisationsentwicklung ausgerichtet sein
Zu oft laufen Führungskräfteseminare zu New Work, Agilität oder moderner Führung ins Leere. Nicht, weil die Inhalte falsch wären, sondern weil die Organisation unverändert bleibt: gleiche Zielkaskaden, gleiche Anreizsysteme, gleiche Ressourcenallokation, gleiche Erwartung an Verfügbarkeit.
Wenn exploratives Lernen (Neues ausprobieren, Innovation, vernetztes Arbeiten) gewünscht ist, braucht es dafür Ressourcen, explizite Erlaubnis und passende Steuerung. Sonst gewinnt immer das Operative.
Leitfrage für PE: Welche Strukturen und Steuerungsmechanismen verhindern gerade das Verhalten, zu dem wir befähigen wollen?
2. Personalentwicklung muss (Change-)Kommunikation und Adoption können
Viele Lernangebote sind gut gemeint und schlecht genutzt. Manchmal ist nicht einmal bekannt, dass es sie gibt. Es kann ein Konzeptproblem sein, meistens ist es aber ein Adoptionsproblem.
PE muss Lerninitiativen so führen, dass Zielgruppen sie als relevant erleben: klares Nutzenversprechen, passendes Timing, Führung als Verstärker, soziale Normen („das machen wir hier so“), niedrigschwellige Einstiege und sichtbare Quick Wins.
Und ja: PE muss ihre Leistung verkaufen. Dafür braucht es keine Marketing-Show. Es reichen sinnvolle Botschaften für Orientierung: Warum jetzt? Wofür? Was ändert sich dadurch konkret im Arbeitsalltag?
3. Personalentwicklung muss Stakeholder Management betreiben
Transformation ist auch Politik: mit Mandaten, Budgets, Aufmerksamkeit, Prioritätenkonflikten. Wer ein Programm durchsetzen will, muss wissen, wer legitimiert, wer blockiert, wer Ressourcen freigibt und welche Interessen im Spiel sind.
Gerade dort, wo Lernen als Privatsache gilt, braucht PE Verbündete: Führung, Betriebsrat, IT, Transformation Office, Schlüsselbereiche. Ohne Stakeholder-Architektur bleibt die beste Lernstrategie Papier.
4. Personalentwicklung muss auf Netzwerke und Communitys setzen
Communities of Practice, kollegiale Fallberatung und selbstorganisierte Lerngruppen sind für PE Skalierungsinstrumente: Sie erzeugen Austausch und gemeinsame Standards – und damit Transfer.
Bei digitalen Skills und Kulturveränderungen entstehen in manchen Unternehmen sogar echte Grassroots-Bewegungen, die Wandel beschleunigen, weil sie Identität stiften („wir sind die, die es anders machen“) und Lernen sozial verankern.
5. Personalentwicklung muss Coaching gezielt ins Portfolio integrieren
Wenn Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit stärker in Teams und Rollen vor Ort wandern, steigt der Bedarf an Reflexion, Konfliktfähigkeit, Priorisierung und Selbstführung.
Coaching (auch virtuell) ist dafür ein wirksames Instrument, vor allem bei Übergängen: neue Führungsrollen, Team-Transformationen, Fusionen,Wachstumsprozesse oder auch Spannungen zwischen Stabilität und Innovation. Wichtig ist eine klare Logik: Coaching dort, wo Unsicherheit hoch und Wirkung groß ist – nicht als Gießkanne.
Fazit
Wenn Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit stärker in Teams und Rollen vor Ort wandern, steigt der Bedarf an Reflexion, Konfliktfähigkeit, Priorisierung und Selbstführung.
Coaching (auch virtuell) ist dafür ein wirksames Instrument, vor allem bei Übergängen: neue Führungsrollen, Team-Transformationen, Fusionen,Wachstumsprozesse oder auch Spannungen zwischen Stabilität und Innovation. Wichtig ist eine klare Logik: Coaching dort, wo Unsicherheit hoch und Wirkung groß ist – nicht als Gießkanne.
Literaturtipps und eine Anmerkung:
Jan Foelsing; Anja Schmitz: New Work braucht New Learning: Eine Perspektivreise durch die Transformation unserer Organisations- und Lernwelten, 2021, Springer Gabler
Zum Thema „niedrigschwelliges Coaching“ sei an dieser Stelle noch auf thankscoach verwiesen, die Teil der HRpepper Company sind.
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Katherina Orlinska, Principal Consultant