Mit dem jährlich erscheinenden New Work-Barometer liefert das Institute for New Work and Coaching der SRH University of Applied Sciences Berlin gemeinsam mit HRpepper als Praxispartner und dem Personalmagazin als Medienpartner fundierte Daten zur Entwicklung von New Work im deutschsprachigen Raum. Ziel ist es, ein realistisches Bild über Haltungen, Maßnahmen und Wirkungen in Unternehmen zu zeichnen – jenseits von Buzzwords.
Eine Umfrage zur Arbeitswelt im Wandel
New Work ist ein Begriff, der unterschiedlich interpretiert wird – je nach Branche, Perspektive und Zeitgeist. Mit dem New Work-Barometer werden seit 2020 jährlich quantitative Daten erhoben, die zeigen, wie Unternehmen das Thema tatsächlich leben.
Der sogenannte „stabile Teil“ des Barometers fragt kontinuierlich nach Assoziationen, Praktiken und Entwicklungen rund um New Work. So entstehen über die Jahre hinweg vergleichbare Daten, die Trends sichtbar machen.
Ziel des Barometers ist es, den Begriff „New Work“ mit empirischen Daten zu unterfüttern, statt ihn rein normativ oder symbolisch zu diskutieren.
Dabei werden jährlich mehr als 600 Fach- und Führungskräfte zu Umsetzung, Haltung und Wirkung von New Work-Maßnahmen befragt.
Jedes Jahr setzt das Barometer zusätzliche Themenschwerpunkte, die in der Befragung untersucht werden. Nach praxisnahen Themen wie Agilität, Future Skills, Haltung in der Organisationsentwicklung und Homeoffice widmet sich das New Work-Barometer 2025 zwei zentralen Fragestellungen:
- Machtverteilung im Wandel: Welche Formen von Macht lassen sich heute beobachten? Wer hat Einfluss – und wie verändert sich Führung?
- KI als New Work Player: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz im organisationalen Alltag? Und wie beeinflusst sie Machtverhältnisse, Emotionen und Zusammenarbeit?
Beide Schwerpunkte spiegeln aktuelle Entwicklungen in Organisationen wider und leisten einen Beitrag zur differenzierten Auseinandersetzung mit den Chancen und Spannungsfeldern moderner Arbeitswelten.
Die Ergebnisse des New Work-Barometers 2025 (Auszug)
Bedeutung mit Abstrichen
Der Bedeutungszuwachs von New Work wird weiterhin mehrheitlich bejaht, fällt im Vergleich zu den Vorjahren jedoch zurückhaltender aus. Viele Unternehmen setzen auf bewährte Praktiken, verzichten jedoch zunehmend auf das Label „New Work“. Dieser Trend wird auch als „New Work Hushing“ bezeichnet – eine Art bewusster Stillbetrieb fernab des medialen Diskurses.
Psychologisches Empowerment als dominierendes Verständnis
Die verbreitetste Deutung von New Work bleibt die Förderung psychologischen Empowerments: Selbstbestimmung, Sinn, Kompetenz und Einfluss stehen für viele Teilnehmende im Zentrum. Allerdings zeigt sich: Während Autonomie gefördert wird, bleibt tatsächlicher Einfluss oft begrenzt.
Homeoffice ist weiterhin verbreitet
Ein Schwerpunkt liegt erneut auf dem Thema Homeoffice. Die aktuelle Befragung zeigt: Durchschnittlich 50 Prozent der Arbeitszeit werden weiterhin im Homeoffice gearbeitet. Eine signifikant positive Korrelation zwischen Homeoffice-Quote und wahrgenommener Organisationsleistung deutet auf kleine, aber positive Effekte hin, die jedoch nichts über eine kausale Wirkung aussagen.
Besonders relevant für die Organisationsleistung ist die Frage, auf welcher Ebene Homeoffice-Regelungen getroffen werden. Hier zeigen sich klare Zusammenhänge:
- Regeln auf Team- und Individualebene korrelieren signifikant positiv mit der wahrgenommenen Leistungsfähigkeit der Organisation.
- Dagegen zeigt sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Regelungen auf Organisationsebene und der Organisationsleistung.
Führung als Machtfrage
Abgefragt wurden auch sieben Machtformen in Organisationen. Am stärksten verbreitet ist legitimierte Macht, am seltensten moralische Macht. Nur charismatische und Expertisemacht stehen in positivem Zusammenhang mit der Leistung. Informations- und Bestrafungsmacht wirken hingegen leistungsmindernd.
Verantwortungsvoll mit Macht umgehen
In der Praxis fehlen häufig systematische Ansätze zum Umgang mit Macht. Nur ein Drittel der Befragten gibt an, dass in ihrer Organisation ein gemeinsames Verständnis für verantwortungsvolle Machtausübung existiert. Regelmäßige Machtdiagnostik oder spezifische Weiterbildungen sind noch selten, korrelieren jedoch positiv mit der Organisationsleistung.
Demokratische vs. autoritäre Führung – Eine Frage der Branche?
Die Ergebnisse des New Work-Barometers 2025 zeigen ein klares Bild: Demokratische Führung ist am stärksten verbreitet und steht in engem Zusammenhang mit höherer wahrgenommener Leistungsfähigkeit von Organisationen. Gleichzeitig bleibt autoritäre Führung vor allem in Industrie, Verkehr und Verwaltung präsent – in manchen Fällen sogar dominierend. Die Daten machen deutlich: Autoritäre Führung ist kein neuer Trend, sondern eine stabile Realität. Ihr Effekt auf Leistung ist negativ.
KI im Aufschwung, aber ohne strategische Verankerung.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nimmt in Organisationen spürbar zu, wird aber häufig primär mit Produktivitäts- und Effizienzzielen verknüpft. Weiterbildungsformate zum reflektierten Umgang mit KI (z. B. Prompting, Anwendungsfälle oder kritischer Ergebnisbewertung) bleiben bislang die Ausnahme. Auch die strategische Kompetenzentwicklung von Führungskräften ist selten systematisch angelegt. Damit bleibt das Potenzial von KI als Lerntechnologie oder als Werkzeug zur Stärkung von Einfluss und Selbstwirksamkeit bislang weitgehend ungenutzt.
Oft gefragt: Home Office oder Return to Office?
- Pauschale Rückholstrategien ins Büro lassen sich mit den Daten nicht empirisch stützen.
- Unternehmen profitieren am meisten, wenn Regelungen zum Homeoffice auf Teamebene gemeinsam getroffen werden.
- Regeln auf Organisationsebene, die für alle gelten, sind in einem komplexen Arbeitsalltag nicht sinnvoll.