Viele Talente steigern die Performance von Teams (nicht)

Die WM ist vorbei und schon wieder haben einzelne Teams, die mit einer Vielzahl an Spitzenfußballern auftrumpften, nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Kann ein Team zu viele Top-Talente haben?

Je mehr Talente in einem Team sind, desto höher ist die Teamperformance. Diese allgemein vorherrschende Ansicht wird durch unterschiedliche länder- und branchenübergreifende Studien bestätigt. Doch trifft dies wirklich immer zu?

Die Auswertung der Qualifikationsspiele der FIFA World Cups von 2010 und 2014 zeigt, dass der Zusammenhang von Talentanzahl und Teamperformance nicht unbedingt linear, sondern in Abhängigkeit zur Anzahl der Talente und dem Grad der gegenseitigen Interdependenz ins Gegenteil ausschlagen kann. Als bekanntes Beispiel wird die Performance des französischen Nationalteams bei der Weltmeisterschaft von 2010 herangezogen, ein Team aus vielen Top-Talenten, das seinen Erwartungen nicht gerecht wurde. Die Autoren der Studie sprechen in diesem Zusammenhang auch vom „Too-Much-Talent Effect“. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich bei der Analyse von Basketballdaten aus den Spielperioden der National Basketball Association von 2002 bis 2012. Teams mit einer sehr hohen Anzahl an Top-Basketballern schnitten z.T. schlechter ab als Teams mit weniger Top-Talenten. Im Gegensatz dazu zeigt die Analyse von Baseballdaten der Major League, dass es in Baseball Teams nie genug Top-Spieler geben kann.

Die Erkenntnis aus den gewonnenen Daten sieht wie folgt aus: Wenn die Performance von Teams auch von einer koordinierten Zusammenarbeit abhängt – wie die Ergebnisse aus der Fußballweltmeisterschaft zeigen – kann sich diese durch die steigende Anzahl von Talenten verschlechtern. Die Ursache liegt an dem zwischen Top-Talenten oftmals vorherrschenden Konkurrenzverhältnis um Status und Rang, was dem Ziel des eingeschwungenen Zustandes im Wege stehen kann. Setzt sich die Teamperformance vorwiegend aus individuellen Leistungen der einzelnen Spieler zusammen – wie am Beispiel des Baseballs untersucht wurde – gibt es in der Tat einen linearen Zusammenhang zwischen Teamperformance und Anzahl der Top-Talente. In diesen Teams kann es nicht genug Talente geben.

talente final
Wie kann man diese Erkenntnis auf Organisationen übertragen? Ob Höchstleistungen in der Fußballweltmeisterschaft oder innerhalb einer Organisation, die zugrundeliegenden Prinzipien sind dieselben. Bei der Zusammenstellung und Entwicklung von Teams sollte berücksichtigt werden, ob der Teamerfolg aus primär individuellen oder voneinander abhängigen Leistungen der Teammitglieder generiert wird. So kann es z.B. in einem klassischen Vertriebsteam, in dem die einzelnen Mitglieder unabhängig voneinander agieren können, nie genug Top-Verkäufer geben. Im Gegensatz dazu sollten in stark interdependenten Teams, wie z.B. Strategieteams, Top-Talente mit „weniger“ talentierten Mitarbeitern gemischt und in Personalentwicklungsmaßnahmen investiert werden.

 

Swaab, R. Schaerer M, Anicich E. Ronay R, Galinsky A (2014). The Too-Much-Talent Effect: Team Interdependence Determines When More Talent Is Too Much or Not Enough. Psychology Science published online 27 June 2014.

| Verfasst von Katja Sandor-Hertel

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11.11.2017

Es wird Zeit, etwas Neues zu wagen.