Not macht (nie) erfinderisch


Innovationen, neue Ideen und radikaler Change fallen leichter, wenn der Veränderungsbedarf offensichtlich ist und ein Verharren in prekärer Situation keine Option mehr darstellt. Aus der „Komfortzone“ heraus ist es jedoch eher schwierig, Neues zu konzipieren.

Soweit, so einleuchtend – die Hirnforschung zeigt uns jedoch, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Prekäre wirtschaftliche Situationen führen dazu, dass unser Denken blockiert wird und wir zur Kurzfristperspektive neigen. Auch kurzfristige Sorgen beeinträchtigen die Möglichkeit und Fähigkeit, langfristige Ziele zu verfolgen (vgl. Huster 2013 in: Klöckner, Lydia, Zeit online Wissen 08/2013 „Geldsorgen blockieren unser Denken“). Existenzängste nehmen unser Gehirn so stark in Anspruch, dass wir uns kaum noch auf andere mentale Aufgaben konzentrieren können.
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Mit einer Reihe von Experimenten haben Forscherteams der Universitäten Princeton, Harvard und British Columbia nachgewiesen, dass Geldsorgen Fehlentscheidungen heraufbeschwören, unabhängig von den äußeren Lebensumständen. Ein Fazit der Forschungsarbeit ist, dass Geldsorgen geistige Fähigkeiten beanspruchen und weniger Freiraum für andere Aufgaben lassen (Mani et al., 2013). Ältere Studien haben bereits aufgezeigt, dass Menschen, die weniger Geld zum Leben haben, zu Verhaltensweisen neigen, die ihrem eigenen Wohl schaden. Die neue Studie stellt bisherige Erklärungen für dieses Phänomen in Frage. Diese basierten oftmals darauf, Armut gehe mit einem niedrigeren Bildungsstand einher (Arme wüssten es schlicht nicht besser) oder aber ärmere Menschen hätten weniger Chancen, gegebene Erwartungen zu erfüllen. Das umfangreiche Studiendesign (Experimente und Feldstudie) zeigt als Ergebnis deutlich, dass wirtschaftlich schlechter situierte Personen keinesfalls weniger intelligent sind als Reiche, vorübergehend können akute Geldsorgen ihre Denkfähigkeit jedoch stark beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund scheint es fraglich, ob das oftmals geforderte Erzeugen starken Veränderungsdrucks immer sinnvoll ist. Das Management sollte abwägen, welches Ausmaß an Unruhe Komfortzonen aufbricht, dabei aber sensibel darauf achten, keine zu großen Existenzängste entstehen zu lassen. Denn diese behindern das Abrufen geistiger Fähigkeiten und blockieren Kreativitätspotenziale.

Mani, A., Mullainathan, E. S., Shafir, E. & Thao, J. (2013). Poverty Impedes Cognitive Function. Science, 341 (6149), 976-980.

| Verfasst von Dr. Philipp Hölzle

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11.11.2017

Es wird Zeit, etwas Neues zu wagen.