„Ingenieur (m/w) gesucht!“ – warum Frauen sich (nicht) bewerben

Die Politik diskutiert die Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquote und auch in Unternehmen wird die Debatte um eine Erhöhung des Frauenanteils in Führungsetagen intensiv geführt (wenn auch nicht immer zielführend, siehe BION Februar 2013). Aber nicht nur im Management, sondern auch in einigen Berufsbereichen ist die Geschlechterverteilung sehr unterschiedlich. Neben Berufen, in denen Frauen dominieren, wie z.B. Krankenschwester und Bürokauffrau, sind in anderen Bereichen Männer stärker vertreten, wie z.B. Installateur und Ingenieur. Oft wird mit Hinweis auf die Chancengleichheit und Demografie der Ruf nach einer ausgeglicheneren Geschlechterverteilung laut. Gleichzeitig vermuten einige Arbeitgeber, dass Frauen sich einfach nicht besonders für bestimmte Fachrichtungen, Branchen oder Hierarchieebenen interessieren. Kann das alleine die Erklärungsursache sein? In Anbetracht der Tatsache, dass in deutschen Stellenausschreibungen immer noch die „Sekretärin des Vorstands“ gesucht wird (Bauhoff & Schneider, 2013), stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß geschlechtsspezifische Konnotationen in Stellenausschreibungen vorkommen und wie sie das Bewerbungsverhalten von Frauen und Männern beeinflussen.

Neuerdings nimmt sich die psychologische Forschung diesen Fragen an. So haben kürzlich Gaucher, Friesen und Kay (2011) mehrere Studien mit Berufseinsteigern und Studierenden durchgeführt. Sie analysierten die verwendeten Begriffe in 4.000 Stellenausschreibungen und konnten zeigen, dass ein stärker maskuliner Sprachgebrauch in männlich-dominierten Berufsbereichen vorherrscht und ein stärker femininer in weiblich-dominierten. Dabei wurden „dominant“, „durchsetzungsfähig“ und „selbstbewusst“ als maskuline Begriffe und „verständnisvoll“, „unterstützend“ und „gemeinsam“ als feminine Begriffe klassifiziert. Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass Männer und Frauen gleichermaßen davon ausgehen, dass mehr Männer in einem Unternehmen arbeiten, wenn dessen Stellenausschreibung maskulin formuliert ist.

Die Experimente von Gaucher und Kollegen (2011) zeigten auch, dass eine geschlechtsspezifische Konnotation durchaus die Attraktivität von ausgeschriebenen Stellen beeinflusst. Frauen finden dieselben Stellen weniger attraktiv, wenn die Ausschreibung maskulin anstatt feminin formuliert ist. Dabei war für Frauen das Berufsbild (Ingenieur, Makler oder Krankenschwester) nicht ausschlaggebend, lediglich die geschlechtsspezifischen Begriffe innerhalb der Ausschreibung beeinflussten die Attraktivität einer Stelle. Männer reagierten dagegen kaum auf einen geschlechtsspezifischen Sprachgebrauch.

Eine frühere Studie von Born und Taris (2010) zeigte bereits ein ähnliches Bild: Frauen finden feminine Formulierungen grundsätzlich attraktiver als maskuline Formulierung und Männer finden beide Formulierungen gleich attraktiv. Allerdings konnten die beiden Autoren auch zeigen, dass das Bewerbungsverhalten von Frauen zusätzlich davon beeinflusst wird, ob maskuline/feminine Eigenschaften oder maskulines/feminines Verhalten in der Stellenausschreibung benannt werden.

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Dazu variierten die Autoren die Formulierung der gleichen Anforderung (z.B. als Eigenschaft „…ein erfolgreicher Kandidat besitzt ein hohes Maß an Kreativität“ oder als Verhalten „…ein erfolgreicher Kandidat ist in der Lage, originelle Ideen und Lösungen für besondere Probleme zu entwickeln“). Wurde in der Stellenausschreibung der ideale Kandidat mit maskulinem Verhalten beschrieben, fanden Frauen die Stelle deutlich attraktiver als wenn die Anforderungen der gleichen Stelle durch maskuline Eigenschaften beschrieben wurden.

Die bisherige Forschung zeigt damit, dass geschlechtsspezifische Sprachcodes in Stellenausschreibungen existieren und insbesondere das Bewerbungsverhalten von Frauen maßgeblich beeinflussen. Im schlechtesten Fall bewerben sich potenziell gut geeignete Frauen auf eine Stelle nicht. Die maskuline Formulierung einer Ausschreibung führt zu einer negativen Selbstselektion von Frauen. Damit beginnt Frauenförderung und das Bemühen, Frauen für eher männer-dominierte Berufsbilder zu gewinnen, nicht erst innerhalb des Unternehmens, sondern bereits mit dem Formulieren der Stellenanzeigen.

 

Bauhoff, F. & Schneider, M. R. (2013). „Sekretärin des Vorstandes“ gesucht: Stellenanzeigen und die expressive Funktion des AGG. Industrielle Beziehungen. 20(1): 54-76.

Born, M. Ph. & Taris, T. W. (2010): The Impact of the Wording of Employment Advertisements on Students‘ Inclination to Apply for a Job. The Journal of Social Psychology. 150(5): 485-502.

Gaucher, D., Friesen, J. & Kay, A. C. (2011). „Evidence that gendered wording in job advertisements exists and sustains gender inequality“. Journal of Personality and Social Psychology, 101: 109-128.

| Verfasst von Dr. Marius Wehner

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