Geld macht (nicht) glücklich


Im letzten Monat veröffentlichte die Bundesregierung den vierten Armuts- und Reichtumsbericht. Und dieser hat einige Debatten ausgelöst. Abgesehen von der Auseinandersetzung der Ministerien über die Formulierung bestimmter Textpassagen, wird in Medien und Öffentlichkeit diskutiert, was arm und reich bedeutet und ob Menschen, die nach ihrem Einkommen als reich eingestuft werden (mehr als das Doppelte des mittleren Einkommens), sich auch so empfinden. „Reich“ als Klassifikationsmerkmal würde sicher weniger Gesprächsstoff liefern, wenn wir darin nicht auch ein Mittel zu weitaus Erstrebenswerterem sähen: Freiheit von Sorgen, Erfüllung von Wünschen und schließlich ein glückliches Leben. Aber ist das tatsächlich der Fall?

Dieser Frage haben sich der Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton (2010) angenommen. Sie untersuchten auf Basis der Daten von 450.000 Personen (aus Befragungen zum Gallup-Healthways Well-Being Index) den Zusammenhang zwischen Haushaltseinkommen und Wohlbefinden. Dabei unterscheiden die Wissenschaftler zwei Konzepte, die häufig vermischt werden: Emotionales Wohlbefinden (Glück) und Bewertung des eigenen Lebens (Lebenszufriedenheit). Emotionales Wohlbefinden bezieht sich auf alltägliche Empfindungen, die das Leben angenehmer oder weniger angenehm machen, wie z.B. Häufigkeit und Intensität des Erlebens von Glück, Faszination und Zuneigung, aber auch von Angst, Ärger und Trauer. Die Bewertung des eigenen Lebens bezieht sich dagegen auf die Gedanken einer Person über das eigene Leben – von einem persönlich bestmöglichen Leben bis zu einem persönlich schlimmstmöglichen Leben.

Und tatsächlich zeigen die Daten, dass die Bewertung des eigenen Lebens umso positiver ausfällt, je höher das Jahreseinkommen ist. Überraschender stellt sich der Zusammenhang zwischen Jahreseinkommen und emotionalem Wohlbefinden dar. Bis zu umgerechnet knapp 60.000€ steigt das Wohlbefinden mit dem Einkommen. Dann aber tritt ein Sättigungseffekt ein. Noch mehr Einkommen steigert das emotionale Wohlbefinden nicht weiter. Geld und Lebenszufriedenheit hängen also zusammen, Geld und Glück nur bedingt! Damit wird Geld wieder ein Mal seiner berüchtigten, ambivalenten Wirkung gerecht. Was dies für die Praxis bedeutet, ist lohnenswert zu diskutieren.
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Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2013). Lebenslagen in Deutschland – Vierter Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Bonn.

Kahneman, D. & Deaton, A. (2010). High income improves evaluation of life but not emotional well-being, Proceedings of the National Academy of the Sciences, 107(38), 16489–16493.

|   Verfasst von Ruth Lassalle

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11.11.2017

Es wird Zeit, etwas Neues zu wagen.