Anreizsysteme fördern (Aus)Nutzung von Teams


In vielen Unternehmen wird die klassische Hierarchiestruktur zunehmend durch Teamarbeit ersetzt, da Teams die Fähigkeiten und Erfahrungen der einzelnen Mitglieder kombinieren, die Teammitglieder voneinander lernen können und Ziele in einer Teamstruktur oft schneller erreicht werden. Allerdings tritt in Teams oft das sog. „Trittbrettfahrer“-Problem  auf (vgl. auch believe it or not 08.2013). Einzelne Teammitglieder leisten weniger als andere, ohne dass sich daraus negative Konsequenzen für diejenigen ergeben.

Um dieses Trittbrettfahren zu vermeiden und gleichzeitig von Vorteilen einer Teamstruktur zu profitieren, setzten Personalverantwortliche oft auf die Gestaltung von Anreizsystemen. In einigen Unternehmen wurden bereits individuelle Anreizsysteme, die Interessen des Einzelnen in den Vordergrund rücken, und gruppenbasierte Anreizsysteme, die kollektive Interessen stärken, aber Trittbrettfahren begünstigen können, miteinander verknüpft. Damit sollen die Schwächen des jeweils anderen Systems umgangen werden. Häufig findet sich dadurch ein Anreizsystem auf drei unterschiedlichen Ebenen: der Ebene des Individuums (fixes Monatsgehalt mit Bonus für individuelle Leistung), des Teams (Bonus auf Basis von Teamleistungen) und der Niederlassung (Erfolgsbeteiligung).

Allerdings gibt es Hinweise, dass eine Mischung dieser Anreizsysteme zu neuen Problemen führt. So nehmen Forscher um Christopher Barnes an, dass eine Mischung von individuellen und gruppenbasierten Anreizsystemen zu einem sozialen Dilemma führt, in dem individuelle Anreize die gruppenbasierten Anreize verdrängen und dadurch das kooperative Verhalten gesenkt wird.

Die Forscher  untersuchten dies experimentell mit einer Stichprobe von 76 Teams, die zufällig aus vier Teilnehmern zusammengesetzt wurden. Den vier Teilnehmern wurde jeweils ein Computerarbeitsplatz in einem gemeinsamen Raum zugewiesen und sie sollten miteinander Aufgaben am Computer lösen. Die Besonderheit der Aufgabensimulation bestand darin, dass eine zufällige Person innerhalb jedes Teams 50% der Arbeitsbelastung erhielt, während die restlichen 50% der Arbeitsbelastung auf die anderen drei Personen entfiel (dies wurde den Teilnehmern jedoch vorher nicht kommuniziert). Gleichzeitig wurde eine Hälfte der Teams mit einem gruppenbasierten Anreizsystem entlohnt, wohingegen die andere Hälfte der Teams eine Mischung aus individuellen und gruppenbasierten Anreizen als Entlohnung erhielt.

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Das Ergebnis der Untersuchung bestätigt die Vermutung der Autoren: eine Mischung aus individuellen und gruppenbasierten Anreizen bringt die Teammitglieder in ein soziales Dilemma, da das individuelle Interesse über das kollektive Interesse gestellt wird. Insbesondere im Vergleich zu rein gruppenbasierten Anreizen führt eine Mischung der Anreize dazu, dass sich die Teammitglieder zunächst auf die Erfüllung ihrer individuellen Ziele konzentrieren und dadurch die kollektiven Ziele vernachlässigen.

Allerdings zeigen die Forscher auch, dass eine Mischung der Anreize die Arbeitsgeschwindigkeit erhöht und die Fokussierung auf die individuellen Aufgaben verstärkt. Dies geht jedoch zu Lasten der Sorgfalt bei der Aufgabenerfüllung und der gegenseitigen Unterstützung innerhalb des Teams.

Aus praktischer Sicht zeigen diese Ergebnisse, dass eine Kombination individueller und gruppenbasierter Anreize für Teams nicht in jedem Fall die beste Lösung ist. Manager müssen entscheiden, inwieweit die Erreichung individueller Ziele und die Geschwindigkeit in einem Team im Vordergrund stehen, bevor sie ein für diese Situationen geeignetes gemischtes Anreizsystem einsetzen. Sind dagegen Sorgfalt der Zielerreichung, gegenseitige Unterstützung und die Möglichkeit, voneinander zu lernen, von besonderer Bedeutung, sollte möglicherweise eine gruppenbasierte Anreizstruktur bevorzugt werden.

Barnes, C. M., Hollenbeck, J. R., Jundt, D. K., DeRue, D. S., Harmon, S. J. (2011). Mixing individual incentives and group incentives: Best of both worlds or social dilemma. Journal of Management, 37(6), pp. 1611-1635.

 | Verfasst von Dr. Marius Wehner

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11.11.2017

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