Alle Sportarten sind (nicht) gleich „gesund“

Da sind sie wieder, die guten Vorsätze zum neuen Jahr. Weniger fettig und süß essen, weniger Stress, sich mehr Zeit für sich nehmen, mehr auf sich achten und vor allem: mehr Sport! Die meisten Berufstätigen haben heute eine sitzende Tätigkeit vor dem PC oder Laptop und sitzen zudem lange im Auto, Flugzeug oder in der Bahn. Doch wenn man schon dabei ist, seinen inneren Schweinehund zu überwinden, dann doch bitte auch mit einer Sportart, die nicht nur schlank, sondern nachweislich „gesund“ macht.

Gesund macht in der medizinischen Wissenschaft, was das generelle Sterblichkeitsrisiko reduziert. Dieses generelle Sterblichkeitsrisiko lässt sich nochmal in unterschiedliche Risiken aufteilen, wobei für sportliche Aktivitäten die kardiovaskuläre Erkrankung (Herz-Kreislauf-Erkrankung) die wichtigste Unterform darstellt. Doch ist Sport wirklich „gesund“? Und gibt ist in diesem Zusammenhang tatsächlich Unterschiede bei den Sportarten?

Um eine Antwort zu geben, wollen wir zunächst prüfen, ob übermäßiges Sitzen wirklich „ungesund“ in diesem Sinne ist. Ist Sitzen also das neue Rauchen? In Großbritannien haben Forscher mehr als 5.300 Frauen und 5.700 Männer, die älter als 40 Jahre waren, in einer Kohorten-Studie untersucht und dabei Personen mit einer überwiegend sitzenden Tätigkeit und Personen mit einer stehenden/gehenden Tätigkeit in Bezug auf ihr Sterblichkeitsrisiko verglichen. Unter der Kontrolle von Drittvariablen, wie Alter, Rauchen, Gewicht, Alkoholgenuss, genereller und psychischer Gesundheit und bekannter Vorerkrankung, zeigen die Ergebnisse, dass berufsbedingtes häufiges Stehen oder Gehen das generelle sowie das kardiovaskuläre Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu berufsbedingtem Sitzen verringert (Stamatakis et al., 2013). Es hilft also nichts: sich regelmäßig mehr zu bewegen, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch „gesund“.

Aber wenn wir uns schon runter vom Bürostuhl zum Sport aufmachen, welche Sportart ist dabei die „gesündeste“. Ebenfalls in Großbritannien haben Forscher in einer der größten Kohorten-Studien weltweit insgesamt mehr als 80.000 Erwachsene im Alter über 30 Jahren auf ihre sportlichen Aktivitäten und ihr Sterblichkeitsrisiko untersucht (Oja et al., 2016). Unter der Kontrolle von Drittvariablen (s.o.) senken nur Schwimmen, Schlagsportarten (Badminton, Tennis, Squash) sowie Aerobic (Gymnastik, Aerobic, Fitnesskurse, Tanzen zur Fitness) nachweislich das generelle und kardiovaskuläre Sterblichkeitsrisiko. Keinen Effekt auf beide Arten des Sterblichkeitsrisikos zeigen dagegen Fußball/Rugby, Fahrradfahren sowie Laufen/Joggen. Überraschend ist hier das Ergebnis für Laufen/Joggen, denn dies ist womöglich die einfachste Sportart, die selbst Sportmuffel schon ausprobiert haben. Die Forscher erklären sich den fehlenden Zusammenhang für Laufen/Joggen mit den generell niedrigen Sterbefällen in dieser Gruppe, sodass trotz fehlender Signifikanz möglicherweise von einem positiven Effekt auszugehen ist (Oja et al., 2016).

bion-01-2017Doch bevor sich nun alle, die ihre guten Vorsätzen zum Jahresbeginn umsetzen und „gesunden“ Sport machen möchten, eine Dauerkarte für Aerobic-Kurse, Schwimm- und Tennishallen besorgen, sei zum Schluss auf eine Meta-Analyse mit fast 460.000 Individuen hingewiesen, die immerhin belegt, dass Gehen (engl.: Walking) das generelle Sterblichkeitsrisiko tatsächlich senkt. Dabei zeigt sich, dass die Geschwindigkeit des Gehens einen größeren Einfluss auf das Sterblichkeitsrisiko hat als der Umfang (Dauer oder Kilometer) (Hamer & Chida, 2008). Insbesondere ein intensives Intervall-Training, bei dem kurzzeitig mit hoher Intensität gelaufen wird, soll das Sterblichkeitsrisiko verringern (Gebel et al., 2015). Damit scheint ein kurzes, intensives Intervall-Training immerhin eine „gesunde“ Alternative zu sein, wenn einem täglich nur wenig Zeit zum Sport bleibt.

Sicherlich ist jegliche Art der sportlichen Betätigung nach den Feiertagen oder nach langem Sitzen sinnvoll. Hauptsache ist jedoch, dass der Spaßfaktor bei der ausgewählten Sportart stimmt, denn nur dadurch lässt sich der gute Vorsatz auf Dauer umsetzen. Aber welche Sportart am meisten Spaß macht, darauf können die Statistiken leider keine Antwort geben. Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Hamer, M., & Chida, Y. (2008). Walking and primary prevention: a meta-analysis of prospective cohort studies. British Journal of Sports Medicine, 42(4), 238-243. doi: 10.1136/bjsm.2007.039974

Gebel, K., Ding, D., Chey, T., Stamatakis, E., Brown, W. J., & Bauman, A. E. (2015). Effect of moderate to vigorous physical activity on all-cause mortality in middle-aged and older australians. JAMA Internal Medicine, 175(6), 970-977. doi: 10.1001/jamainternmed.2015.0541

Oja, P., Kelly, P., Pedisic, Z., Titze, S., Bauman, A., Foster, C., et al. (2016). Associations of specific types of sports and exercise with all-cause and cardiovascular-disease mortality: a cohort study of 80 306 British adults. British Journal of Sports Medicine. doi: 10.1136/bjsports-2016-096822

Stamatakis, E., Chau, J. Y., Pedisic, Z., Bauman, A., Macniven, R., Coombs, N., & Hamer, M. (2013). Are Sitting Occupations Associated with Increased All-Cause, Cancer, and Cardiovascular Disease Mortality Risk? A Pooled Analysis of Seven British Population Cohorts. PLOS ONE, 8(9), e73753. doi: 10.1371/journal.pone.0073753

 | Verfasst von Dr. Marius Wehner

|             Mehr zu Believe it or not

|       Informationen zu HRpepper

11.11.2017

Es wird Zeit, etwas Neues zu wagen.